Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

Kissinger berufliche onkologische Reha (KIBORA)

Rehaklinik für Rheumatologie und Onkologie am Kurpark, Bad Kissingen

Klinikimpressionen Bad Kissingen

Indikation

Onkologie

Ziele

Die Maßnahme zielt auf die Stabilisierung und Erhöhung der kognitiven und körperlichen Leistungsfähigkeit sowie die Förderung bzw. Verbesserung gesundheitsförderlicher Einstellungen und Verhaltensweisen onkologischer Rehabilitanden ab und dient damit dem langfristigen Wiedererlangen bzw. dem Erhalt der Erwerbsfähigkeit. Da die Maßnahme in Kleingruppen mit ausschließlich onkologischen Patienten durchgeführt wird, kann das Augenmerk auf die spezifischen (berufsrelevanten) Folgen einer Krebserkrankung und-therapie gelegt werden wie z.B. Fatigue oder Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche.

Inhalte und Ablauf

Die Rehabilitanden erhalten in Gruppen von maximal 5 Personen ergänzend zur medizinischen Rehabilitation ein speziell für onkologische Rehabilitanden entwickeltes MBOR-Programm. Die Reha-Dauer beträgt 3 Wochen und kann im Bedarfsfall bei medizinischer Indikation verlängert werden. Anhand der Ergebnisse anfänglicher Leistungstests (IMBA als Test der körperlichen Leistungsfähigkeit, COGPACK ® als Test der kognitiven Leistungsfähigkeit) erhalten die Rehabilitanden ein speziell auf ihre Bedürfnisse und die beruflichen Anforderungen abgestimmtes Programm.

Geeignete Teilnehmer werden zu Beginn der Rehabilitation im ärztlichen Aufnahmegespräch rekrutiert. In einer Begrüßungsveranstaltung und einem ärztlichen Gesprächskreis werden sie ausführlich in Ziele, Modalitäten und Inhalte der Maßnahme eingeführt. Es schließen sich die IMBA- und Cogpack ®-Testungen an, die zum Ende des Aufenthalts noch einmal wiederholt werden. Die weiteren Elemente der Maßnahme sind über den Reha-Aufenthalt verteilt in das medizinische Heilverfahren integriert. Die berufsbezogene Intervention umfasst insgesamt 20 Stunden.

  • In 6 einstündigen Sitzungen werden gezielt Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer mit dem COGPACK®-Programm trainiert.
  • Im einstündigen Ergonomie-Training werden die ergonomischen Grundlagen zu optimalem Haltungs- und Bewegungsverhalten vermittelt. Praktisch ausprobiert und im Arbeitsrhythmus trainiert werden diese Arbeitshaltungen und Bewegungsabläufe dann im Arbeitsplatz-imitierenden Training, das zwei einstündige Sitzungen umfasst.
  • Der Gesprächskreis mit der Sozialberatung besteht aus zwei einstündigen Veranstaltungen. Hier können sozial- und arbeitsrechtliche Fragen und Anliegen der Teilnehmer besprochen werden. Um der Schnittstellenproblematik adäquat zu begegnen und diese zu minimieren, erfolgt bei Bedarf die umgehende Kontaktaufnahme zu Arbeitgeber, Betriebsarzt, Agentur für Arbeit oder weiteren beteiligten Stellen und Institutionen.
  • Inhalt des dreiteiligen psychosozialen Trainings, welches insgesamt 3,5 Stunden in Anspruch nimmt, sind ein Ausbau der sozialen Kompetenz und gesundheitsförderlicher Einstellungen und Verhaltensweisen im Arbeitskontext auf Basis der mit dem AVEM-Fragebogen individuell erhobenen arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebnismuster.

Der Ablauf der Maßnahme ist in Abbildung 1 zusammenfassend dargestellt (Anklicken zum vergrößern).

Ablauf Kissinger berufliche onkologische Reha (KIBORA) Abbildung 1: Maßnahme „KIBORA“ in der Klinik am Kurpark Bad Kissingen

Zielgruppe

Die Intervention richtet sich an onkologische Patienten im erwerbsfähigen Alter mit beruflicher Problemlage. Sie wird nicht durchgeführt bei Rehabilitanden unter 18 bzw. über 55 Jahren, ferner bei massiven Sprachbarrieren oder Altersrente (Rentenbezug).

Beteiligte Berufsgruppen und Ausstattung

Arzt; Psychologe; Sozialpädagoge; Ergotherapeut; Physiotherapeut.

Ausstattung: Die Trainingseinheiten finden z.T. in spezifischen Arbeitsplatz-imitierenden Umgebungen statt. Die Umgebungen sind dabei nicht berufsspezifisch gestaltet, sondern erlauben es, anhand verschiedener Hilfsmittel (Gewichte, ergonomischer Stuhl) flexibel für verschiedenste Berufsgruppen tätigkeitsspezifische Übungen durchzuführen, wie z.B. das Arbeiten im Knien, über dem Kopf oder am Schreibtisch.

Literatur

  • Weiß, J., Kuhn, R., Wentrock, S., Malitz, J. & Reuss-Borst, M. (2013). Lassen sich junge Tumor-Patienten beruflich reintegrieren? Ergebnisse eines Pilotprojektes zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation. Versicherungsmedizin, 65(4), 197-201.
  • Peters, E. & Reuss-Borst, M. (2014). Medizinisch-berufliche Rehabilitation von Menschen mit Krebserkrankung: Das Projekt KIBORA. Beitrag im Forum „Reha Recht“ (www.reha-recht.de).
  • Reuss-Borst, M. et al. (2014). Lassen sich junge Tumorpatienten beruflich reintegrieren? Ergebnisse eines Pilotprojektes zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation. Poster, Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, Karlsruhe. DRV-Schriften, 103, 74-76.
  • Reuss-Borst, M. & Kuhn, R. (in Vorb.) Ein Erfolgsmodell: Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation – „Return to Work bei Krebs“ – Ergebnisse eines Pilotprojekts zur MBOR in der Onkologie. Fachzeitschrift Spektrum der DRV Baden-Württemberg.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Monika Reuss-Borst
Rehaklinik am Kurpark
Kurhausstraße 9
97688 Bad Kissingen
m.reuss-borst@rehaklinik-am-kurpark.de
http://www.rehaklinik-am-kurpark.de