Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

GSA-Online (Gesundheitstraining Stressbewältigung am Arbeitsplatz)

Universitätsmedizin Mainz

Logo GSA

Indikation

indikationsübergreifend

Ziele

Ziel von GSA-Online ist die Verstetigung des Therapieerfolgs und damit auch die langfristige Sicherung von Gesundheit und Erwerbsfähigkeit bei ehemaligen, zum Zeitpunkt der stationären Rehabilitation erwerbstätigen Rehabilitanden. Die an die stationäre berufsbezogene Maßnahme zeitlich und inhaltlich anknüpfende, internetbasierte Nachsorgemaßnahme kann a) Wartezeiten zu ambulan-ten Nachsorgemaßnahmen überbrücken, b) fehlende regionale Angebote ersetzen und sowohl c) die berufliche Wiedereingliederung als auch d) den weiteren psychischen und physischen Gesundungsprozess unterstützen.

Die Beschreibung einer aktualisierten Version des Programms finden Sie hier.

Inhalte und Ablauf

GSA-Online besteht aus

  • einer strukturierten Schreibaufgabe und therapeutischer Kommentierung,
  • Informationen und Arbeitsblättern des stationären Gesundheitstrainings Stressbewälti-gung am Arbeitsplatz (GSA; Hillert et al., 2007),
  • Audiodateien zur Progressiven Muskelrelaxation,
  • einem Selbsttest zum „Arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmuster“ (AVEM; Schaarschmidt & Fischer, 1996) mit automatisierter Rückmeldung,
  • einem Benutzerprofil und
  • einem moderierten Forum.

Diese Elemente stehen den Patienten direkt nach Rehabilitationsende über einen Zeitraum von 12 Wochen unter www.online-nachsorge.de zur Verfügung. Dabei stellt die strukturierte Schreibaufgabe mit zeitnaher therapeutischer Kommentierung die Kernintervention von GSA-Online dar. Sie fokussiert auf die Bearbeitung vorgenannter Ängste, Unsicherheiten und zwischenmenschlicher Konflikte bei der beruflichen Wiedereingliederung, die unabhängig von der Indikation vorliegen können. Die Patienten werden aufgefordert, in einem dafür vorgesehenen Textfeld auf der Internetplattform (Abb. 1) belastende zwischenmenschliche Situationen am Arbeitsplatz zu schildern.

Mithilfe der Supportiv-Expressiven-Therapie (SET, Luborsky, 1984) werden aus den wöchentlichen Schilderungen des Patienten durch den Therapeuten maladaptive Beziehungsmuster identifiziert und an den Patienten über ein Kommentierungsfeld auf derselben Plattform zurückgemeldet. Über die Reflexion vorherrschender, individueller Beziehungsmuster und deren Konsequenzen für die Situation am Arbeitsplatz können Veränderungen angeregt und Interaktionen am Arbeitsplatz verbessert werden. Darüber hinaus wird der Patient vom Therapeuten durch Fragen und Hinweise in der Kommentierung angeregt, in der Rehabilitation erlernte gesundheitsrelevante Verhaltensweisen zu beginnen oder fortzuführen.

GSA-Beispiel Abbildung 1: Beispiel für Patientenschilderung und therapeutische Kommentierung auf der Internetplattform „GSA-Online“ der Universitätsmedizin Mainz

Direkt nach der Rückkehr aus der Rehabilitation können sich die Teilnehmer auf der durch eine zentrale Stelle betreuten Internetplattform mit einem persönlichen Zugangscode, den die Patienten noch in der Klinik erhalten haben, einloggen. Für Fragen hinsichtlich der Nachsorge oder technischen Problemen steht den Teilnehmern über den gesamten Nachsorgezeitraum hinweg (insgesamt 14 Wochen) eine durch das Zentrum betreute Kontaktmailadresse sowie telefonische Hotline zur Verfügung. Für Notfälle wird auf die üblichen Kriseninterventionsangebote verwiesen.

An einem von den Teilnehmern selbst gewählten festen Tag erhalten die Teilnehmer über 12 Wochen hinweg eine strukturierte Schreibaufgabe, in der sie aufgefordert werden, für sie aktuell oder in der Vergangenheit bedeutsame Situationen und Interaktionen am Arbeitsplatz zu schildern (Plattforminhalt a) (s.o.). Die strukturierte Schreibaufgabe besteht zum einen aus einer gleich bleibenden standardisierten Schreibanleitung sowie aus einem wöchentlich variierenden Schwerpunktthema. Per E-Mail werden die Teilnehmer an diesen Termin erinnert und haben die Möglichkeit, ihre Schreibaufgabe noch bis zum fünften Tag in Folge zu erledigen. Danach verfällt die Schreibaufgabe und wird beim nächsten Termin erneut zur Verfügung gestellt. Die Patientenschilderungen (Blogs) werden von einem für den Teilnehmer anonymen Online-Therapeuten schriftlich nach dem Modell der Supportiv-Expressiven Therapie (SET; Luborsky, 1984) kommentiert. Der Therapeut ist ein auf diese Form der Online-Kommentierung geschulter Mitarbeiter des Zentrums. Bei Einhaltung des jeweiligen Schreibtermins wird eine therapeutische Kommentierung innerhalb von 24 Stunden garantiert. Dem Therapeuten stehen bei Bedarf Basisinformationen wie Alter, Geschlecht und Beruf zur Verfügung. Im Anschluss an die letzte Schreibaufgabe stehen dem Teilnehmer sowohl die Blogs als auch die therapeutischen Kommentierungen noch für zwei Wochen zum Herunterladen und Ausdrucken zur Verfügung. Alle weiteren Plattforminhalte (b-f) stehen dem Patienten ebenfalls für insgesamt 14 Wochen zur freien Nutzung zur Verfügung.

Der wöchentliche Zeitaufwand eines aktiven Nachsorgeteilnehmers kann auf etwa eine Stunde geschätzt werden. Die Nachsorge kann für insgesamt 12 Wochen aktiv genutzt werden. Weitere 2 Wochen lang stehen alle Inhalte noch zum Herunterladen und/oder Speichern bereit.

Der Ablauf der Maßnahme ist in Abbildung 2 zusammenfassend dargestellt (Anklicken zum vergrößern).

Ablauf GSA-Online (Gesundheitstraining Stressbewältigung am Arbeitsplatz) Abbildung 2: Maßnahme „GSA-Online“ der Universitätsmedizin Mainz

Zielgruppe

Voraussetzungen zur Teilnahme an GSA-Online sind a) aktuell laufende stationäre medizinische Rehabilitation, b) aktuelle Erwerbstätigkeit, c) aktuelle subjektive berufliche Belastung, d) privater Internetzugang und e) deutsche Sprachkenntnisse. Die Maßnahme wird nicht durchgeführt bei einem Alter ab 59 Jahren, bestehendem Rentenantrag und fehlender Motivation des Rehabilitanden.

Das Programm wurde an kardiologischen, orthopädischen und psychosomatischen Rehabilitanden evaluiert und kann daher als indikationsübergreifend bezeichnet werden.

Beteiligte Berufsgruppen und Ausstattung

Psychologe. Ausstattung: Für die Durchführung der Maßnahme ist ein Zentrum mit therapeutisch entsprechend geschulten Mitarbeitern erforderlich.

Literatur

Publizierte Abstracts:

  • Gerzymisch, K., Beutel, M. E., & Zwerenz , R. (2013). Zurück an den Arbeitsplatz mit GSA-Online - Internetbasierte Nachsorge auf Basis einer therapeutischen Schreibaufgabe. In Arbeitskreis Klinische Psychologie in der Rehabilitation (Hrsg.), (Selbst-)Konzepte bei veränderten Lebensbedingungen (S. 41-54). Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.
  • Gerzymisch, K., Beutel, M. E., Knickenberg, R. J., Holme, M., Spörl-Dönch, S., Kiwus, U., & Zwerenz , R. (2013). Akzeptanz und Nutzung einer internetbasierten Nachsorgemaßnahme zur nachhaltigen Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung nach stationärer medizinischer Rehabilitation. 22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, März 2013, Mainz. DRV-Schriften, 101, 50-52.
  • Zwerenz , R., Gerzymisch, K., Becker, J., Holme, M., Kiwus, U., Knickenberg, R. J., Spoerl-Doench, S., & Beutel, M. E. (2014). Kurzfristige Wirksamkeit der internetbasierten Nachsorge "GSA-Online" für beruflich belastete Patienten. 23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, März 2014, Karlsruhe. DRV-Schriften, 103, 271-273.

Artikel:

  • Zwerenz, R., Gerzymisch, K., Edinger, J., Holme, M., Knickenberg, R. J., Spörl-Dönch, S., Kiwus, U., & Beutel, M. E. (2013). Evaluation of an internet-based aftercare program to improve vocational reintegration after inpatient medical rehabilitation: study protocol for a cluster-randomized controlled trial. Trials, 14(1), 26. doi: 10.1186/1745-6215-14-26.

Manual:

Ein Manual für die stationäre Schulung mit Transfermodul zur Online-Nachsorge kann bei den Autoren (siehe Ansprechpartner) angefordert werden.

Ansprechpartner

Ansprechpartner Dr. biol. hom. Dipl.-Psych. Rüdiger Zwerenz
(Leiter der Arbeitsgruppe Rehawissenschaften & E-Mental-Health)
ruediger.zwerenz@unimedizin-mainz.de
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Untere Zahlbacher Straße 8
55131 Mainz