Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

Berufsbezogene Therapiegruppe

Psychosomatische Klinik Bad Neustadt, Bad Neustadt/Saale

Klinikimpressionen Bad Neustadt

Indikation

Psychosomatik

Ziele

Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Problemlage, dem Wandel der beruflichen Anforderungen, geänderten Strukturen und neuen Technologien mit dem Ziel, neue Copingstrategien zu entwickeln.

Inhalte und Ablauf

Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit folgenden Themen:

  • Motivation zur Auseinandersetzung mit Beruf/beruflicher Problemlage
  • Bilanzierung: Positive und negative Erfahrungen im Beruf
  • persönliche Vorstellungen und Ideale/individuelle Bedeutung der Arbeit
  • Parallelen im Verhalten (Beruf, privat, Gruppe)
  • Verbindungen zwischen berufsbezogenen Problemen und psychosomatischen Beschwerden
  • persönliche Schwächen und Stärken/eigenes Leitbild erkennen; eigenen Anteil an der Problematik erkennen
  • Konflikte mit Kollegen, Vorgesetzten
  • Selbstwerterleben im Beruf und sozialen Kontakten
  • Versagensgefühle, Opferrolle
  • Möglichkeiten zur Eigeninitiative; Vermittlung von Optimismus, d. h. Förderung von günstigen Attributionen (Fähigkeit und Begabung)
  • Regeneration: Balance zwischen Arbeit und Privatem
  • Lebens- und Copingstrategien am Arbeitsplatz erkennen und überdenken
  • individuelle Möglichkeiten zur Entwicklung von Handlungskompetenzen

Vortrag zu Stress und Arbeit im Rahmen der Maßnahme: Auszüge Abbildung 1: Vortrag zu Stress und Arbeit im Rahmen der Maßnahme: Auszüge

Die Maßnahme untergliedert sich in zwei Phasen:

  • Motivationsphase (zwei Termine à 90 Minuten, 1 Woche): Interesse der Patienten und Patientinnen gewinnen, sich mit berufsbezogenen Konflikten und Problembereichen auseinander zu setzen; Zielformulierung bzw. Erarbeitung von Zielvorstellungen in der Gruppe
  • Bearbeitungsphase (sechs Termine à 90 Minuten, 3 Wochen): vertiefende Bearbeitung berufsbezogener Konflikte und Belastungen vor dem Hintergrund der aktuellen Lebenssituation und der (Erwerbs-)Biographie des Patienten/der Patientin

Die Maßnahme umfasst insgesamt einen Zeitraum von acht Terminen à 90 Minuten über vier Wochen. Die berufsbezogene Therapiegruppe besteht aus acht bis maximal zehn Teilnehmenden. Sie ist mit der projektorientierten Gruppe gekoppelt. Hier planen und erstellen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein gemeinsames Projekt unter der Leitung eines Ergotherapeuten. Für die projektorientierte Gruppe sind drei Termine à 100 Minuten angesetzt. Das Ziel dieser Gruppe ist es, die Team-, Konflikt- und Kritikfähigkeit der Teilnehmenden zu beobachten. Diese Aspekte können in der berufsbezogenen Therapiegruppe wieder aufgegriffen werden.

Die Zuweisung zur berufsbezogenen Therapiegruppe erfolgt nach Prüfung der gegebenen Voraussetzungen durch Sozialpädagogin und Bezugstherapeut (Arzt, Psychologe) im Rahmen der Neuanreisebesprechung. Einige Patienten und Patientinnen werden u. a. mit dem AVEM-Fragebogen (Schaarschmidt & Fischer, 2006) getestet. Die testpsychologischen Ergebnisse werden im therapeutischen Verlauf reflektiert.

Der Ablauf der Maßnahme ist in Abbildung 2 zusammenfassend dargestellt (Anklicken zum vergrößern).

Ablauf Berufsbezogene Therapiegruppe Bad Neustadt Abbildung 2: Maßnahme „Berufsbezogene Therapiegruppe“ in der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt

Ferner werden von der Abteilung für Sozialpädagogik eine psychoedukative Gruppe „Stressbewältigung“ (4 Termine) und arbeits- und berufsbezogene Einzelberatung angeboten. Viele Patienten mit beruflichen Problemen haben ein hohes Informationsbedürfnis und hohen Beratungsbedarf. Inhalte der Grundlagen der Sozialmedizin sind: Leistungsbeurteilung, wirtschaftliche Absicherung, Begriffe wie Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Erwerbsminderung, Grad der Behinderung usw. Diese Fragen tauchen oft in den berufsbezogenen Therapiegruppen auf, die im „ABC der Sozialmedizin“ konzentriert abgehandelt werden können.

Zielgruppe

Die Maßnahme richtet sich an Rehabilitanden mit berufsspezifischen Problemen, auch an Patienten der intensivierten Rehabilitationsnachsorge (IRENA). Sie wird nicht durchgeführt bei fehlender Motivation auf Seiten des Patienten/der Patientin sowie bei Patienten und Patientinnen mit akuter psychiatrischer oder psychischer Dekompensation.

Beteiligte Berufsgruppen und Ausstattung

Psychologe; Sozialarbeiter/Sozialpädagoge. Es ist keine besondere Ausstattung außer den üblichen Voraussetzungen für therapeutische Gruppen notwendig.

Literatur

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  • Schattenburg, L., Gerzymisch, K., Vorndran, A., Knickenberg, R., Beutel, M. & Zwerenz. R. (2013). Internetbasierte Nachsorge für beruflich belastete Patienten der stationären psychosomatischen Rehabilitation: Motivierung und Ergebnisse zur Teilnahmebereitschaft an einem Online-Nachsorgeprogramm. Poster auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Heidelberg. Abstractband, On-Line.
  • Zwerenz, R., Knickenberg, R.J., Schattenburg, L. & Beutel, M.E. (2005). Motivation zur psychosomatisch-psychotherapeutischen Bearbeitung von beruflichen Belastungen – Entwicklung und Validierung eines Fragebogens. Rehabilitation, 44, 14-23.
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  • Zwerenz, R., Knickenberg, R.J., Schattenburg, L. & Beutel, M.E. (2007). Results of a controlled treatment study optimizing work-related treatments in psychosomatic inpatient rehabilitation. International Journal of Rehabilitation Research, 30, 37.

Ansprechpartner

Dr. Rudolf Knickenberg (Chefarzt)
Dr. Lothar Schattenburg (Leitender Psychologe)
Annerose Vorndran (Dipl.-Sozialpädagogin)
Martina Beer (Dipl.-Sozialarbeiterin)
Hiltrud Zajac (Dipl.-Sozialpädagogin)
Psychosomatische Klinik Bad Neustadt
Salzburger Leite 1
97616 Bad Neustadt/Saale
psk@psychosomatische-klinik-bad-neustadt.de
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