Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

Motivationsförderung

Warum ist Motivationsförderung vor und in der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation wichtig?

Die Motivation, sich während der medizinischen Rehabilitation mit dem Thema Beruf und Erwerbsleben auseinanderzusetzen, kann nicht immer vorausgesetzt werden, sondern sollte bei Bedarf durch Maßnahmen der Motivationsförderung (z. B. Fördern von Kompetenzerleben, Gewohnheitsbildung, Anreize, Lob) gezielt geschaffen werden. Wichtig ist es, dass Sie den Rehabilitanden dort abholen, wo er steht: Interventionen sollten sich also daran orientieren, inwieweit der Rehabilitand schon zu einer Auseinandersetzung mit der beruflichen Problematik bereit ist. Deshalb sollte die Motivierung des Rehabilitanden schon vor Beginn der Rehabilitation mittels Einladungsschreiben erfolgen (siehe unten).

Hierbei kann eine Orientierung an motivations- bzw. gesundheitspsychologischen Modellen sinnvoll sein, wie dem transtheoretischen Stufenmodell von Prochaska und DiClemente (weiterführende Literatur: siehe Faselt & Hoffmann, 2010; Prochaska, 2013; siehe auch Franche & Krause, 2002).

Was soll mit Motivationsförderung erreicht werden?

Ziel der Motivationsarbeit ist es, die Bereitschaft des Rehabilitanden zu fördern, sich mit arbeits- und berufsbezogenen Fragestellungen während der Rehabilitationsmaßnahme zu beschäftigen und sich mit deren Bedeutung für Gesundheit und Erwerbsleben auseinander zu setzen. Insbesondere soll auch das Interesse gefördert werden, an arbeits- und berufsbezogenen Problemen bzw. Perspektiven – unter den gegebenen Bedingungen (Auswirkungen einer chronischer Erkrankung oder Behinderung) – zu arbeiten. Rehabilitanden können so auf geplante arbeits- und berufsbezogene Maßnahmen (z. B. auf eine Belastungserprobung) vorbereitet werden, mit dem Ziel, die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit (Compliance) zu erhöhen und damit Maßnahmenabbrüchen entgegenzuwirken. Der Erfolg einer späteren beruflichen Eingliederung setzt die Umsetzung von Anregungen aus der Rehabilitation durch den Rehabilitanden voraus. Daher ist die Motivationsförderung ein wichtiger Bestandteil der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation. Wenngleich sie vor allem zu Beginn der Rehabilitationsbehandlung von Bedeutung ist, sollte das Thema während der gesamten Rehabilitation präsent sein.

Welche Möglichkeiten der Motivationsförderung gibt es?

Die wichtigste Methode zur Motivationsförderung ist das persönliche Gespräch. Darüber hinaus können aber auch schriftliche Materialien (z. B. Fragebogen zur berufsbezogenen Behandlungsmotivation, Informationsbroschüre Rehazentrum Schömberg), Vorträge, Psychoedukation und Gruppengespräche zum Einsatz kommen:

  • Einladungsschreiben vor Beginn der Rehabilitation. Das Einladungsschreiben für den Rehabilitanden vor Beginn der Rehabilitationsbehandlung ist so gestaltet, dass keine falschen Erwartungen an die Behandlung generiert oder unterstützt werden (Quelle: Rehazentrum Schömberg).
  • Informationen zum arbeits- und berufsbezogenen Angebot der Klinik. Informationsbroschüren (Quelle: Rehazentrum Schömberg) zum arbeits- und berufsbezogenen Angebot der Klinik bieten dem Rehabilitanden die Möglichkeit, sich einen Überblick über die angebotenen Interventionen und die Ziele der Maßnahmen zu verschaffen. Eine entsprechende schriftliche Information dient auch dazu, „Kurerwartungen“ vorzubeugen.
  • Thematisierung berufsbezogener Inhalte im Aufnahmegespräch und/oder im Rahmen eines Vortrags. Dem gleichen Zweck dient die Erläuterung der Ziele der medizinischen Rehabilitation im Aufnahmegespräch oder im Rahmen eines Vortrags zu Beginn der Rehabilitation.
  • Partizipative Entscheidungsfindung. Im Aufnahmegespräch sollten die Vorstellungen und Erwartungen des Rehabilitanden mit dem Rehabilitationsauftrag der Einrichtungen in Einklang gebracht werden. Es soll eine kooperative Einigung auf einen Behandlungsauftrag ermöglicht werden im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung (shared decision-making; Simon et al., 2008).
  • Konkrete arbeits- und berufsbezogene Zielformulierungen. Der Rehabilitand soll frühzeitig dazu angeregt werden, sich mit seiner Erwerbsperspektive auseinander zu setzen. Dazu gehört, Rehabilitationsziele für die individuellen arbeits- und berufsbezogenen Problemlagen zu definieren und dafür konkrete Zielformulierungen zu erarbeiten („Was möchte ich in der Reha bezogen auf mein Erwerbsleben erreichen?“). Eine solche Zielklärung kann mit Hilfe von bereits vorab versendeten Fragebögen (Quelle: Franziska-Stift, Bad Kreuznach) erfolgen und/oder im Gespräch mit dem Arzt oder Therapeuten. Auch im Rahmen von Vorstellungsrunden (z. B. auf Station) können arbeits- und berufsbezogene Ziele thematisiert werden. Im Rahmen der Gespräche des Sozialdienstes oder der Psychologie kann mit dem Rehabilitanden beispielsweise besprochen werden, welche beruflichen Ziele angestrebt werden und welche Hilfen er dabei erhalten kann.
  • Thematisierung von Motivation im Rahmen von Gruppen. In psychoedukativen oder psychotherapeutischen Gruppen wird, v. a. in der Psychosomatik und bei Abhängigkeitserkrankungen, die Motivation (auch arbeits- und berufsbezogen) thematisiert. Hierzu liegen standardisierte psychoedukative Gruppenprogramme vor (ZAZO, Berufliche Zukunft).

Wenn in allen therapeutischen Disziplinen Fertigkeiten und Veränderungen des Rehabilitanden immer auch mit Blick auf den beruflichen Kontext betrachtet werden, wird die Auseinandersetzung mit berufsbezogenen Fragestellungen gefördert. Eine verstärkte Sensibilisierung im Reha-Team für arbeits- und berufsbezogene Aspekte kann erreicht werden, indem Rehabilitanden mit unklarer Motivationslage bezüglich ihrer beruflichen Perspektive in Teamsitzungen vorgestellt werden.