Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

Zusammenarbeit mit externen Institutionen

Praxisbeispiele aus unserer Datenbank zum Thema „Zusammenarbeit mit externen Institutionen“ finden Sie hier.

Die Zusammenarbeit mit externen Institutionen hat zum Ziel:

  • die beruflichen Hintergründe des Rehabilitanden zu klären und besser zu verstehen,
  • Anpassungen am (bisherigen oder zukünftigen) Arbeitsplatz zu initiieren und
  • Informationen über den Rehabilitationsverlauf und das -ergebnis zeitnah an relevante Akteure weiterzugeben.

Solche Institutionen oder Akteure können beispielsweise sein: Arbeitgeber, Betriebsärzte, betriebliche Sozialberatung, behandelnde Ärzte, behandelnde Psychotherapeuten, Rehabilitations-Fachberater der Leistungsträger, Einrichtungen beruflicher Rehabilitation (BFW oder BFZ) und Integrationsfachdienste.

Eine Vernetzung mit externen Institutionen erfordert umfangreiche Kontakte und eine intensive und kontinuierliche Kooperation mit diesen Stellen und Personen. Auch innerhalb des Reha-Teams ist eine gute Kommunikationsstruktur mit kurzen Informationswegen notwendig, um auf dieser Grundlage rechtzeitig die geeigneten Kontakte herzustellen.

Eine Kontaktaufnahme zu externen Personen und Institutionen (insbesondere zum Arbeitgeber) setzt das Einverständnis der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden und die Wahrung des Datenschutzes voraus.

Die Inhalte externer Zusammenarbeit variieren je nach konkreter Zielstellung. Hierzu können Bereiche gehören wie:

  • Abgleich der Arbeitsplatzanforderungen mit dem Leistungsbild des Rehabilitanden
  • Einholung bzw. Erstellung einer Arbeitsplatz- oder Tätigkeitsbeschreibung
  • praktische Erprobungen in externen Einrichtungen wie Berufsförderungswerken oder Betrieben
  • Abklärung hinsichtlich beruflicher Um- oder Neuorientierung und
  • Planung und Einleitung von Nachsorge- bzw. Eingliederungsmaßnahmen

Nachfolgend werden wesentliche Stellen beschrieben, mit denen im Rahmen einer medizinischen Rehabilitation typischerweise Kontakte aufgenommen werden und die zur Optimierung des Reha-Verlaufs und -ergebnisses genutzt werden können.

Kontakte zum Arbeitgeber (Werks- und Betriebsärzte, betriebliche Sozialberatung, BEM-Verantwortliche, Personalverantwortliche)

Identifizierung mutmaßlich rehabilitationsbedürftiger Arbeitnehmer. Betriebsärzte bzw. die betriebliche Sozialberatung haben besondere Kompetenzen und Möglichkeiten, um bei Beschäftigten arbeitsplatzbezogene Belastungen und Einschränkungen frühzeitig zu erkennen und damit Hinweise auf spezifischen Förder-/Trainingsbedarf zu geben. Hierbei sollte der Leistungsträger frühzeitig eingebunden werden. Insbesondere im Kontext eines betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) können Betriebe für eine Zusammenarbeit mit medizinischen Rehabilitationseinrichtungen gewonnen werden.

Arbeitsplatzbeschreibung. Betriebsärzte, betriebliche Sozialberatung bzw. Arbeitsmedizinische Dienste können detaillierte Informationen über den Arbeitsplatz des Rehabilitanden zur Verfügung stellen bzw. eine Stellungnahme zur psychosozialen Problematik der Arbeitssituation abgeben. Genaueres zum Thema Arbeitsplatzbeschreibungen finden Sie hier. Betriebsärzte und Arbeitsmedizinische Dienste führen Besichtigungen des Arbeitsplatzes unter dem Aspekt von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren durch und können Sie speziell zum jeweiligen Gewerbe beraten.

Betriebsseminare/Gespräche mit Betriebsangehörigen oder Sozialdienst. Im Verlauf der Rehabilitation können Betriebsseminare bzw. Gespräche mit Betriebsangehörigen dazu genutzt werden, spezifische Risikofaktoren am Arbeitsplatz zu erkennen und alternative Verhaltensmöglichkeiten zu erarbeiten. An einem Betriebsseminar nehmen Rehabilitanden teil, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Zum Seminar werden sowohl Betriebsangehörige eingeladen, die unmittelbar mit dem Rehabilitanden zu tun haben -z.B. Arbeitskollegen oder unmittelbare Vorgesetzte – als auch Mitglieder des Betriebs- oder Personalrats sowie ggf. betriebliche Suchtberater und übergeordnete Funktionsträger (z. B. Personalleiter). In diesen Gesprächen gelingt es häufig, wechselseitige Bedenken oder Ängste vor der Rückkehr an den Arbeitsplatz zu thematisieren und wesentliche Informationen über die Erkrankung des Rehabilitanden zur Verfügung zu stellen (dies ist insbesondere bei Abhängigkeitserkrankungen relevant). Darüber hinaus können Fragen der beruflichen Eingliederung ebenso abgeklärt werden wie qualitative und quantitative Leistungseinschränkungen und deren Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitsplatzgestaltung.

Planung der zur Eingliederung erforderlichen Maßnahmen. Für die Planung der zur Eingliederung erforderlichen Maßnahmen sind frühzeitige Kontakte der Klinik zum Betriebsrat, Schwerbehindertenbeauftragten, Reha-Fachberater bzw. Integrationsfachdienst hilfreich. Der Entlassungsbericht der Klinik sollte - bei entsprechendem Einverständnis der Rehabilitanden - dem Betriebsarzt zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Mitwirkung des Rehabilitanden und Datenschutz. Bei Kontakten zum Betrieb des Rehabilitanden besitzt der Schutz von Sozialdaten höchsten Stellenwert. Es ist erforderlich, Rehabilitanden über den geplanten Datenaustausch, ihre schutzwürdigen Interessen und den Datenschutz aufzuklären und ihr schriftliches Einverständnis einzuholen.

Kontakte zum behandelnden Arzt bzw. Hausarzt (ggf. Psychotherapeuten) des Rehabilitanden

Weiterbehandelnde Ärzte (bzw. Psychotherapeuten) sollten über die Ziele und Ergebnisse der Rehabilitationsbehandlung, insbesondere aber über die Nachsorgeempfehlungen im Rahmen der Berichterstattung zeitnah informiert werden. In einem begrenzten Zeitraum nach Abschluss der Rehabilitationsbehandlung kann es sinnvoll sein, dass die Klinik durch regelmäßige Kontakte die Nachsorge des Rehabilitanden begleitet.

Für die Übermittlung personenbezogener gesundheitlicher Daten des Rehabilitanden an behandelnde Ärzte ist eine Einverständniserklärung erforderlich.

Kontakte zu Berufsförderungswerken, Berufsbildungszentren, medizinisch-beruflichen Rehabilitationseinrichtungen und Betrieben

Über Kontakte zu Berufsförderungswerken, Berufsbildungszentren und externen Betrieben sowie medizinisch-beruflichen Rehabilitationseinrichtungen (Phase II-Einrichtungen, siehe auch Konzepte der Träger) können Rehabilitationskliniken den Rehabilitanden Erfahrungen mit praktischen Arbeitstätigkeiten, z. B. im Rahmen einer Belastungserprobung, einer Berufsfindungsmaßnahme oder eines Praktikums, ermöglichen. Die frühzeitige Vermittlung von entsprechenden Kontakten (zumeist über den Sozialdienst der Rehabilitationseinrichtung) soll einen möglichst optimalen Übergang zur beruflichen Wiedereingliederung ermöglichen. So können Gesprächstermine beim Berufsförderungswerk oder bei wohnortsnahen Betrieben vereinbart oder geeignete Praktikumsstellen zusammengestellt werden.

Kontakte zu Berufsinformationszentren (BIZ) der Arbeitsagenturen

Die Berufsinformationszentren (BIZ) der Arbeitsagenturen bieten verschiedene Informationen (z. B. zu Ausbildung und Studium, Berufsbildern und Anforderungen, Weiterbildung und Umschulung) für Personen an, die vor einer beruflichen Entscheidung stehen. An Informationsplätzen mit Internetzugang, die in der Reha-Einrichtung bestehen sollten, besteht die Möglichkeit, sich über Fragen des Berufs- und Arbeitslebens zu informieren und online nach Stellen zu suchen.

Eine besondere Rolle spielt der Kontakt zum BIZ im Vorfeld einer beruflichen (Neu-) Orientierung, wenn erkennbar ist, dass ein Rehabilitand seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben kann und sich ausführlich über berufliche Alternativen und deren Passung mit eigenen Motiven, Neigungen und Interessen informieren möchte. Die Datenbank der BIZ bietet u. a. die Voraussetzungen, Berufsbilder, Ausbildungsinhalte, Qualifizierungswege und Ausbildungsstätten kennen zu lernen.

Über eine Beratung und gezielte Motivierung des Rehabilitanden können Kontakte zu Berufsinformationszentren der Arbeitsagentur gefördert werden. Die Beratung sollte Aufbau und Möglichkeiten des BIZ sowie eine Anleitung über das Suchsystem im BIZ unter besonderer Berücksichtigung der beruflichen Ziele und Fragestellungen der Rehabilitanden beinhalten.

Kontakte zum Reha-Fachberater/Reha-Manager des Kostenträgers

Kontakte zum Reha-Fachberater der gesetzlichen Rentenversicherung bzw. Reha-Manager der gesetzlichen Unfallversicherung dienen dazu, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben schon während der medizinischen Rehabilitation vorzubereiten. Gegebenenfalls muss eine Kontaktaufnahme mit einem Reha-Fachberater/Reha-Manager am Wohnort vereinbart werden.

Kontakte zu gemeinsamen Servicestellen der Reha-Träger

Für alle Landkreise und kreisfreie Städte sind von den Rehabilitationsträgern gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation eingerichtet worden. Diese beraten und unterstützen in allen Fragen der Rehabilitation (z. B. bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz oder Umschulungsmaßnahmen), nehmen Reha-Anträge auf und ermitteln den zuständigen Reha-Träger. Von den Servicestellen wird bei Bedarf auch der weitere Kontakt zum zuständigen Reha-Träger hergestellt und der Reha-Antrag unverzüglich dorthin weitergeleitet, so dass das Reha-Management schnell und ohne Reibungsverluste vom zuständigen Reha-Träger übernommen werden kann.

Kontakte zum Integrationsfachdienst (IFD)

Bei erkennbarem Unterstützungsbedarf wird gegen Ende der Reha-Maßnahme vom Sozialdienst der Rehabilitationseinrichtung Kontakt zum Integrationsfachdienst (IFD; Beratung/Vermittlung) aufgenommen. Dieser berät und unterstützt arbeitende und arbeitsuchende schwerbehinderte Personen sowie Schwerbehinderten gleichgestellte Menschen. Der IFD bietet auch für Arbeitgeber Informationen und Unterstützung zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben an.

Um die Behandlung entsprechend ausrichten zu können, ist die Kontaktaufnahme mit externen Stellen bereits zu Beginn bzw. im Vorfeld der medizinischen Rehabilitation notwendig, um relevante Informationen über den Arbeitsplatz und die individuellen Belastungsfaktoren des Rehabilitanden sowie weitere relevante Kontextfaktoren und Ressourcen zu erhalten.

Zu Beginn der Rehabilitation werden durch Kontakte, z. B. zum Betriebs- und Hausarzt des Rehabilitanden, relevante Informationen über Arbeitsplatz und Vorbefunde ergänzt. Im Verlauf der Rehabilitation können in spezifischen Indikationsbereichen über Kontakte (z. B. zu Berufsförderungswerken und externen Betrieben) praktische Erprobungen ermöglicht werden.

Im Verlauf der Rehabilitation können Kontakte zu externen Betrieben und Berufsförderungswerken genutzt werden, um dem Rehabilitanden praktische Erprobungen oder berufliche Orientierungsmaßnahmen zu ermöglichen. Möglichst frühzeitig, spätestens aber zur Mitte der Rehabilitation soll die Vermittlung von Kontakten schließlich einen zeitnahen Übergang zu ggf. erforderlichen Leistungen der Teilhabe am Arbeitsleben bzw. zur beruflichen Wiedereingliederung des Rehabilitanden ermöglichen.

Mit Blick auf die Anbahnung möglicher nachgehender Maßnahmen sollte möglichst frühzeitig, mit Einverständnis des Rehabilitanden, die Rehabilitationseinrichtung zum Betriebsarzt, zum Arbeitgeber und/oder zum Rehabilitations-Fachberater des Kostenträgers Kontakt aufnehmen, um die Nachsorge und berufliche Eingliederung des Rehabilitanden zu planen. Ein wichtige Aufgabe ist der Abgleich der betrieblichen Arbeitsplatzanforderungen mit dem Leistungsbild des Rehabilitanden. Unter anderem ist zu prüfen, ob weitere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) notwendig sind. Der Ablauf einer Stufenweisen Eingliederung muss bereits am Ende der medizinischen Rehabilitation mit dem Arbeitgeber des Rehabilitanden geklärt, abgestimmt und im Entlassungsbericht festgehalten werden. Dies beinhaltet auch die Anfertigung eines Plans zur Stufenweisen Wiedereingliederung.

Bei regelmäßiger Zusammenarbeit sollten für die wesentlichen Inhalte der Zusammenarbeit zwischen der Reha-Einrichtung und den externen Partnern Kooperationsvereinbarungen getroffen werden. Aus diesen sollte hervorgehen, in welchen Fällen und auf welche Art und Weise ein Kontakt zu welchen Einrichtungen und Akteuren innerhalb welcher Zeitfenster stattfindet und welche Daten dabei ausgetauscht werden.

Der Informations- und Datenaustausch zwischen Reha-Einrichtung und externen Partnern erfolgt unter Beachtung der ärztlichen Schweigepflicht und des Datenschutzes. Der zuständige Leistungsträger ist bei sämtlichen Aktivitäten vor, während und nach einer externen Leistung ausreichend zu informieren. Ein System der Qualitätssicherung sollte sicherstellen, dass die Durchführung der Zusammenarbeit auch tatsächlich entsprechend den getroffenen Vereinbarungen abläuft.

Siehe hierzu auch Jacobs et al. (2015) als Beispiel für ein Modellprojekt im Bereich der ambulanten Rehabilitation.