Berufliche Orientierung

in der medizinischen Rehabilitation

Diagnostische Instrumente

Diagnostische Instrumente zur Erfassung und Beschreibung arbeits- und berufsbezogener Problemlagen

In der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation sind diagnostische Instrumente – vor allem im Rahmen der Eingangs- und Abschlussdiagnostik – ein wichtiges Werkzeug. Mit ihrer Hilfe können individuelle berufliche Problemlagen erfasst und beschrieben sowie Aussagen zu Anforderungen, Belastungen und Leistungsvermögen eines Rehabilitanden gemacht werden, was wiederum für die Therapieplanung zentral ist. Sie bilden die Basis für die sozialmedizinische Einschätzung des Rehabilitanden am Ende der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige diagnostische Instrumente vor, die im Kontext der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation Einsatz finden können.

Bitte beachten Sie, dass die genannten Assessments Beispiele für Instrumente in den jeweiligen Themenbereichen darstellen. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die ausgewählten Verfahren stellen zudem keine Empfehlung dar. Es wurden Instrumente ausgewählt, deren psychometrische Eigenschaften mindestens befriedigend sind und die in der Praxis eingesetzt werden.

Sofern das Verfahren frei verfügbar ist, finden Sie bei der Kurzdarstellung Hinweise zum Download oder Bezug.

Welche Arten von diagnostischen Instrumenten sind wichtig?

  • Screening-Verfahren dienen der Identifikation von Patienten mit arbeits- und berufsbezogenen Problemlagen, sie sind der eigentlichen, umfassenderen Diagnostik vorgeschaltet
  • FCE-Systeme dienen zur objektiven Erfassung der individuellen arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (functional capacity evaluation FCE)
  • Dokumentationssysteme ermöglichen den Abgleich von Fähigkeiten und Anforderungen.
  • Selbstbeurteilungsinstrumente (in der Regel Fragebogenverfahren) ermöglichen die Erfassung wesentlicher Aspekte der Aktivitäten und Teilhabe sowie der personen- und umweltbezogenen Kontextfaktoren eines Rehabilitanden.

Screening-Verfahren: Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen erkennen

In diesem Abschnitt vorgestellte Screenings
Würzburger Screening
SIBAR, Screening-Instrument für Beruf und Arbeit in der Rehabilitation
SIMBO, Screening-Instrument zur Erkennung des Bedarfs an Medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation
Weitere Verfahren

Was ist ein Screening?

Unter einem Screening versteht man ein diagnostisches Vorgehen, das zwar Zeit sparend ist, gleichzeitig jedoch nur eine eingeschränkte Tiefe der Analyse ermöglicht (Woike, 2003). Im Hinblick auf aufwändigere diagnostische Verfahren kann ein Screening eine Entscheidungshilfe darstellen. Anhand eines Screenings kann zum Beispiel das Vorliegen einer besonderen beruflichen Problemlage bei einer Person abgeschätzt werden.

Beispielbild Screening

Wozu werden Screenings in der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation benötigt?

In der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation werden Screening-Verfahren u.a. dazu eingesetzt, um festzustellen, ob ein Rehabilitand überhaupt berufsbezogene Reha-Maßnahmen benötigt. Werden durch das Screening Hinweise auf besondere berufliche Problemlagen entdeckt, sollen diese durch anschließende ausführlichere Untersuchungen spezifiziert werden.

Die Screening-Verfahren zur Ermittlung besonderer beruflicher Problemlagen können zum einen vor der Rehabilitation bei der sozialmedizinischen Begutachtung durch die Leistungsträger zum Einsatz kommen, um eine bedarfsgerechte Zuweisung des Antragstellers zu ermöglichen. Zum anderen können sie kurz vor bzw. zu Beginn der Rehabilitation durch den Leistungserbringer eingesetzt werden, um den Rehabilitanden innerhalb der Einrichtung frühzeitig in einen berufsbezogenen Behandlungsansatz steuern zu können.

Welche Screenings gibt es?

Es existieren verschiedene Screening-Fragebögen, die speziell zur Erfassung besonderer beruflicher Problemlagen entwickelt und erprobt wurden. Im Folgenden finden Sie nähere Informationen zu diesen Verfahren sowie Download-Möglichkeiten.

Würzburger Screening

Beim Würzburger Screening handelt es sich um einen einfach handhabbaren einseitigen Fragebogen zur Erhebung von beruflichen Problemlagen sowie des Bedarfs an berufsorientierten Rehabilitationsmaßnahmen. Das Würzburger Screening findet sowohl im Zugangsverfahren zur Rehabilitation durch den Leistungsträger als auch in medizinischen Rehabilitationseinrichtungen Verwendung.

Im Rahmen der Instrumentenentwicklung und -validierung haben sich die interne Konsistenz und die Test-Retest-Reliabilität der Skalen sowie die Trennschärfe der Items als zufriedenstellend erwiesen.

Mit Hilfe eines einfachen Algorithmus bestehend aus dem Erwerbsstatus zu Rehabilitationsbeginn und der Kurzskala „Subjektive Erwerbsprognose“ gelang eine korrekte Klassifikation von 86% der Personen, die sechs Monate nach Beendigung der Rehabilitationsmaßnahme nicht erwerbstätig waren (Sensitivität). Von den Personen, die an den Arbeitsplatz zurückkehrten, konnten 82% korrekt identifiziert werden (Spezifität). Bei der Konstruktvalidierung ergaben sich zwischen den Skalen des „Würzburger Screenings“ und weiteren berufs- und gesundheitsbezogenen Fragebögen z. B. mit der Skala „Berufliche Sorgen“ (IRES-BS) aus dem IRES-Fragebogen, Zusammenhänge im mittleren Bereich.

Das Würzburger Screening umfasst drei Skalen:

  • „Berufliche Belastungen“,
  • „Subjektive Erwerbsprognose“ und
  • „Interesse an berufsbezogenen Therapieangeboten“

Das kurze, reliable und valide Instrument kann sowohl bei der Reha-Zugangssteuerung durch die sozialmedizinische Dienste als auch bei der Aufnahmeuntersuchung in der Reha-Klinik eingesetzt werden. Mit Hilfe eines einfachen Algorithmus – bestehend aus dem Erwerbsstatus zu Rehabilitationsbeginn und der Kurzskala „Subjektive Erwerbsprognose“ – kann der Erwerbsstatus sechs Monate nach Rehabilitationsaufenthalt indikationsübergreifend sehr gut vorhergesagt werden.

Die in den sozialmedizinischen Diensten zum Einsatz kommende Version des Würzburger Screenings besteht aus den Skalen „Subjektive Erwerbsprognose“ und „Berufliche Belastungen“. Die Skala „Interesse an berufsbezogenen Therapieangeboten” fehlt. Damit soll Unklarheiten bei denjenigen Antragstellern vorgebeugt werden, deren Antrag auf Rehabilitation später abgelehnt wird.

Eine ausführlichere Beschreibung der psychometrischen Eigenschaften des Würzburger Screenings, der Ergebnisse der Fragebogenvalidierung sowie der Angaben zur Anwendung des Würzburger Screenings finden sich im Manual. Das Manual mit Auswertungsschablone sowie die beiden Versionen des Würzburger Screenings können hier kostenlos heruntergeladen werden:

Download

  1. Würzburger Screening – zum Einsatz in den medizinischen Rehabilitationseinrichtungen PDF
  2. Würzburger Screening – zum Einsatz in den sozialmedizinischen Einrichtungen PDF
  3. Manual des Würzburger Screenings (gültig für beide Versionen) PDF

Ansprechpartner für weitere Informationen

Abteilung für Medizinische Psychologie
der Universität Würzburg
Klinikstr. 3, 97070 Würzburg
Dipl.-Psych. Hans-Dieter Wolf
hans.wolf@uni-wuerzburg.de
Dr. Heiner Vogel
h.vogel@uni-wuerzburg.de

SIBAR (Screening-Instrument für Beruf und Arbeit in der Rehabilitation)

Der generische Screening-Fragebogen SIBAR (Screening-Instrument für Beruf und Arbeit in der Rehabilitation) besteht aus drei Skalen unterschiedlicher Bedarfsbereiche:

  1. Sozialmedizinische Risikofaktoren (Frühberentungsrisiko)
  2. Berufliches Belastungserleben
  3. Subjektiver berufsbezogener Behandlungsbedarf

Das Screening existiert in einer Kurz- und einer Langfassung. In der Langfassung können das berufliche Belastungserleben und der subjektive Bedarf an unterschiedlichen berufsbezogenen Behandlungsangeboten differenziert erfasst werden (Bürger & Deck, 2009; Bürger et al., 2006).

Das Instrument wurde anhand zweier großer Stichproben validiert: n=2.228 Reha-Antragsteller und n=1.292 Rehabilitanden der Indikationen Orthopädie, Kardiologie, Psychosomatik und Onkologie.

Die Reliabilität von SIBAR erreicht zufriedenstellende bis sehr gute Kennwerte. Die Übereinstimmung des subjektiven berufsbezogenen Behandlungsbedarfs und der von Klinikern geäußerten Bedarfseinschätzung liegt bei 63%. Die korrekte Vorhersage des Frühberentungsverhaltens in der Stichprobe der Reha-Antragsteller konnte ein Jahr nach Rehabilitation in 79% der Fälle mit der SIBAR-I-Skala „Sozialmedizinische Risikofaktoren“ korrekt prognostiziert werden. Ferner wurde geprüft, ob mithilfe der SIBAR-I-Skala der tatsächliche Zeitpunkt der Rückkehr an den Arbeitsplatz vorhergesagt werden kann. Dabei zeigen sich positive Zusammenhänge: Je höher die Werte auf der SIBAR-I-Skala lagen, desto später bzw. unwahrscheinlicher ist die Rückkehr in das Erwerbsleben ein Jahr nach der Rehabilitation.

Die besonderen Qualitäten von SIBAR liegen zum einen in der Kürze und Verständlichkeit des Bogens, zum anderen in der Fähigkeit, das spätere Reintegrationsverhalten und den berufsbezogenen Behandlungsbedarf valide abzubilden.

Bezug

Das Instrument SIBAR kann beim Autor per E-Mail bezogen werden:

Dr. Wolfgang Bürger
fbgbuerger@online.de

Ansprechpartner für weitere Informationen

Dr. Wolfgang Bürger
Forschung und Beratung im Gesundheitswesen (fbg)
Moltkestr. 25
76133 Karlsruhe
Tel.: 0721-625 47 25
Fax: 0721-203 90 95
fbgbuerger@online.de
www.fbg-karlsruhe.de

Dr. Ruth Deck
Universitätsklinikum Schleswig Holstein
Institut für Sozialmedizin
Ratzeburger Allee 160
Haus 50
23538 Lübeck
Tel.: 0451-500-5847, Fax: 0451 500-5872
ruth.deck@uk-sh.de

SIMBO (Screening-Instrument zur Erkennung des Bedarfs an Medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation)

Der SIMBO vereint sieben Kriterien der Beeinträchtigung beruflicher Teilhabe: Es handelt sich um

  • sozialmedizinische Parameter (Erwerbsstatus, Arbeitsfähigkeit, Fehlzeiten im Jahr vor der Maßnahme)
  • gesundheitsbezogene Beeinträchtigungen im Beruf
  • die subjektive berufliche Prognose
  • berufsbezogene Therapiemotivation und
  • das Alter.

Daraus wird eine gewichtete Summe gebildet (0-100 Skalenpunkte). Eine besondere berufliche Problemlage wird ab 30 Punkte gesehen. Allerdings verweisen neuere Analysen hier – je nach Einsatzgebiet und Indikation – auf andere Grenzen.

Es existieren eine ältere, indikationsspezifische Version für Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparates (SIMBO-MSK) und eine generische Version für chronische Erkrankungen im Allgemeinen (SIMBO-C). Bislang liegen Daten zu etwa 6.500 Daten von Rehabilitanden mit orthopädischen Erkrankungen für die Validierung des SIMBO-MSK bzw. 2.700 Datensätze von Patienten mit orthopädischen, psychischen, Herz-Kreislauf-, pneumologischen, onkologischen sowie Magen-Darm-Erkrankungen für die Validierung des SIMBO-C vor. Eine Validierung in der Neurologie ist momentan in Planung.

An einer Versichertenstichprobe (n=700) wurde der Einsatz des SIMBO im Antragsverfahren auf medizinische Rehabilitation getestet. Weiterhin wird der SIMBO seit 2012 bei der deutschen Rentenversicherung Bund regelhaft im Antragsverfahren auf medizinische Rehabilitation eingesetzt und bereits bei orthopädischen Erkrankungen für die Steuerung in MBOR-Schwerpunkteinrichtungen genutzt. Ein Einsatz in der Psychosomatik wird vorbereitet.

Beide Versionen wurden umfassend auf ihre psychometrische Güte getestet (Streibelt et al. 2007, Streibelt 2009, Streibelt und Bethge, 2014). Insbesondere standen der Vergleich mit der klinischen Einschätzung zur interner Therapiesteuerung und die Vorhersage postrehabilitativer problematischer Ereignisse (Erwerbsminderungsrente, Arbeitslosigkeit, Fehlzeiten, Inanspruchnahme Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Stufenweise Wiedereingliederung) im Zentrum (zusammenfassend in Streibelt 2010).

Beides gelingt durch SIMBO in hohem Maße. Der Zusammenhang mit der klinischen Einschätzung (Zuweisung zu MBOR-Konzept) zeigte einen hohen Zusammenhang (r=0,59, Sensitivität: 80%, Spezifität: 78%). Die SIMBO-Einschätzung besitzt darüber hinaus knapp 80% Übereinstimmung mit dem Auftreten eines der genannten Ereignisse. Die Konstruktvalidität wird ebenfalls als gut eingeschätzt (SIMBO-C: Work Ability Index und SF-36; SIMBO-MSK: FFbH, Schmerzen, SF-36, FESV, FABQ-D); die Test-Retest-Reliabilität ist sehr hoch (ICC=0,87).

Der SIMBO kann als indikationsspezifische und indikationsübergreifende Variante sowohl zur Steuerung besonderer Problempatienten in bestimmte Therapiekonzepte in der medizinischen Rehabilitation als auch für die Erkennung dieser Subgruppe bei Antragstellung auf medizinische Rehabilitation eingesetzt werden. In beigefügtem Material sind alle diesbezüglichen Informationen inkl. der Auswertungsroutine (händisch und als SPSS-Syntax) nachlesbar.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund verwendet eine adaptierte Fassung des SIMBO-C im Rahmen als reguläres Formular in der Antragstellung auf medizinische Rehabilitation (Formular-Nr. G9590). Im Vergleich zur validierten Fassung wurden die Gewichte bei der Kalkulation des Score an die spezifische Situation der Antragstellung angepasst. Reha-Einrichtungen wird jedoch empfohlen, bei einem Einsatz direkt vor oder bei Beginn der Rehabilitation die validierte Gewichtung zu verwenden.

Bei einem Einsatz in Ihrer Einrichtung wäre der Autor über eine kurze Information, bei welcher Population und in welchem Setting der Einsatz geplant ist, dankbar.

Downloads

  1. SIMBO-C [DOC], Version 2012
  2. SIMBO-MSK [PDF], Version 2007
  3. Manual [PDF], Version 2009
  4. Literatur zu SIMBO, Stand 2014 [DOC]
  5. SPSS-Syntax [SPS - SPSS Skriptdatei - bitte per rechtem Mausklick und "Ziel speichern unter ..." sichern]
  6. händische Auswertungsroutine [PDF]

Ansprechpartner für weitere Informationen

Dr. Marco Streibelt
Deutsche Rentenversicherung Bund
Abteilung Rehabilitation
Hohenzollerndamm 46
10704 Berlin
Tel.: 030/865 81591
dr.marco.streibelt@drv-bund.de

Weitere Verfahren

Auch die folgenden berufsbezogenen Screenings werden in diesem Kontext häufig eingesetzt:

FCE-Systeme: Die arbeitsbezogene körperliche Leistungsfähigkeit objektiv erfassen

(unter Mitarbeit von Dr. Torsten Alles)

In diesem Abschnitt vorgestellte FCE-Systeme
EFL, Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit nach Isernhagen
ERGOS® II™; SAPPHIRE Arbeitskapazitäten System
ELA, Einschätzung körperlicher Leistungsfähigkeiten bei arbeitsbezogenen Aktivitäten

Was sind FCE-Systeme? Es handelt sich um Testverfahren, die zur objektiven Erfassung der individuellen arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit entwickelt wurden. Unter der Bezeichnung FCE-Systeme (functional capacity evaluation) finden sie in der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation Verwendung (vgl. Erbstößer et al., 2003; Erbstößer, 2004; Genovese & Galper, 2009).

Wozu dienen FCE-Systeme? FCE-Systeme messen die individuelle Fähigkeit (capacity) eines Rehabilitanden, Anforderungen einer bestimmten Arbeitstätigkeit zu erfüllen. Sie beinhalten neben standardisierten körperlich orientierten Testaufgaben auch anamnestische Erhebungen, Interviewelemente und Beobachtungen. Die möglichst realitätsgerechte Beurteilung der Arbeitsfähigkeiten von Rehabilitanden bezieht sich dabei schwerpunktmäßig auf häufig vorkommende physische Aspekte der Arbeit (z. B. Heben, Tragen) und erfolgt über standardisierte Leistungstests.

FCE-Systeme sollten nicht als alleinige Bewertung der funktionellen Leistungsfähigkeit eines Patienten angesehen werden. Vielmehr sollten sie durch klinische Untersuchungen, weitere Funktionsmessungen und patientenzentrierte Variablen (z.B. subjektive Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens) ergänzt werden (Schreiber et al., 2000).

EFL (Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit nach Isernhagen)

(Isernhagen et al., 1999; Kaiser et al., 2000a)

Die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit ermöglicht eine objektivierte Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit. Das Verfahren umfasst die folgenden physischen Tests:

  • „psychophysische Tests“ (Belastung des Rehabilitanden bis zu seiner Leistungsgrenze)
  • „kinesiophysische Tests“ (Ermittlung der maximalen Leistungsfähigkeit des Rehabilitanden innerhalb einer ergonomischen Testausführung)

Das EFL-Bewertungssystem beruht auf der kinesiophysischen Methodik. Die gesamte Testbatterie umfasst 29 standardisierte funktionelle Leistungstests (z. B. Heben, Tragen, Arbeiten über Kopfhöhe, Leiter steigen, Handkoordination). Die reine Testdurchführung dauert fünf bis sechs Stunden und wird auf zwei Tage aufgeteilt.

Die individuelle Belastbarkeit des Rehabilitanden in den einzelnen Tests wird in eine EFL-Tabelle eingetragen. Es wird die geschätzte Belastbarkeit während eines achtstündigen-Arbeitstags ermittelt und in ein Leistungsprofil überführt. Das Leistungsprofil wird dem arbeits- und berufsbezogenen Anforderungsprofil (der jeweiligen Arbeitsstelle des Rehabilitanden) gegenübergestellt („Job Match“), wobei Defizite und Fertigkeiten des Rehabilitanden deutlich werden, die in der Therapie gezielt trainiert werden können. In das Anforderungsprofil können Angaben des Rehabilitanden und seines Arbeitgebers eingehen. Der Beobachtung des Rehabilitanden in der Testsituation (z. B. bzgl. des Umgangs mit Beschwerden) kommt eine wichtige Rolle zu.

Um den Aufwand einer kompletten EFL-Testung zu reduzieren, wurden EFL-Kurzformen entwickelt. Innerhalb dieser gekürzten Variante werden wie bei der ausführlichen EFL-Version mehrere Anforderungen des Arbeitsplatzes bestimmt und anschließend in arbeitsplatzbezogene Testsituationen umgesetzt. Die Tests sind hinsichtlich des Zeitaufwands im Verhältnis zum EFL-Gesamtverfahren erheblich gekürzt und geben Auskunft über die momentane funktionelle Leistungsfähigkeit bezogen auf indikationsbezogene bzw. individuelle Fragestellungen (s. z. B. Praxisbeispiel Arbeitsplatzspezifische Rehabilitation der ARC-Gruppe).

Die Einführung der EFL-Methode und die Beteiligung an EFL-Kursen, in denen die Ausbildung von EFL-Anwendern erfolgt, setzt den Erwerb einer Lizenz der EFL Akademie voraus.

Als Ergänzung zum EFL und anderen Verfahren zur Erfassung der funktionellen Leistungsfähigkeit ist der als „PACT-Test“ bekannte Spinal Function Sort anzusehen (Borloz et al., 2012; Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, 1996). Dieser Test erhebt die subjektive Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit der Probanden und ist hier genauer beschrieben.

ERGOS® II™; SAPPHIRE Arbeitskapazitäten System

Bei ERGOS® II™ handelt es sich um die Weiterentwicklung des psychophysischen Testsystems ERGOS® (Glatz et al., 2006; Kaiser et al., 2000). Zielparameter ist die maximale Leistungsfähigkeit (ohne ausdrückliche Berücksichtigung ergonomischer Aspekte).

Beim SAPPHIRE Arbeitskapazitäten System handelt es sich um einen Arbeitssimulator, der die Testung des körperlichen Arbeitsvermögens eines Rehabilitanden (der „Performance“) zum Ziel hat.

Für beide FCE-Verfahren- ist der Vertrieb in Deutschland derzeit unklar. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Homepage: http://www.simwork.com/OurProducts/ErgosSapphire.aspx.

ELA (Einschätzung körperlicher Leistungsfähigkeiten bei arbeitsbezogenen Aktivitäten)

(David Bühne, Torsten Alles)

Das FCE-Verfahren ELA dient der Erhebung der arbeitsbezogenen körperlichen Leistungsfähigkeit und wurde speziell für den Einsatz in der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation (z.B. MBOR) konzipiert. Charakteristisch für ELA sind

  • die möglichst realitätsnahe Simulation konkreter beruflicher Anforderungen bei Einhaltung FCE-spezifischer Teststandards,
  • die ökonomische, an die individuellen Bedarfe des Patienten angepasste Auswahl der Aktivitätstests (modularer Einsatz) sowie
  • die direkte Anbindungsmöglichkeit an das Profilvergleichs- und Dokumentationssystem IMBA.

Bestandteil des Verfahrens sind 24 Aktivitätstests aus den Bereichen Körperhaltung (z.B. Stehen, Knien, Hocken), Körperfortbewegung (z.B. Gehen, Klettern, Kriechen), Körperteilbewegung (z.B. Kniebeugen, Bücken und Aufrichten) sowie komplexe Merkmale (z.B. Heben, Schieben und Ziehen, Feinmotorik).

Vorgesehen ist ein an die individuelle Beanspruchung des Patienten angepasster Einsatz des Verfahrens. Getestet werden diejenigen Fähigkeiten, die als potenziell unzureichend zur Erfüllung beruflicher Anforderungen eingeschätzt werden. Die Auswahl der Tests erfolgt u.a. auf Grundlage anamnestischer Daten sowie der subjektiven Beanspruchungsangabe des Patienten.

Bei der Beurteilung der arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit drohen Transferverluste, wenn berufliche Anforderungen im Rahmen der Testung nur unzureichend abgebildet werden. Um dies zu vermeiden, sieht ELA eine möglichst realitätsnahe Simulation der konkreten beruflichen Anforderungen vor (dies betrifft z.B. die Beschaffenheit von Lasten und arbeitsplatzspezifische Ausführungsbedingungen). Transparenz und Nachvollziehbarkeit werden durch eine standardisierte Dokumentationsform gewährleistet.

Die Beurteilung der arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit erfolgt durch die Gegenüberstellung der erhobenen individuellen körperlichen Fähigkeiten und der konkreten beruflichen Anforderungen. Die beruflichen Anforderungen sind idealerweise in Form eines IMBA-Anforderungsprofils dokumentiert. Sollte eine konkrete Arbeitsplatzbeschreibung nicht vorliegen, können die notwendigen Informationen mit Hilfe eines Patienteninterviews erhoben werden. Über die Beurteilung der körperlichen Arbeitsfähigkeit hinaus, kann ELA auch zur Therapieplanung und -steuerung eingesetzt werden.

ELA ist neben dem Einsatz im Rahmen der MBOR ebenfalls als FCE-System im Sinne der Anforderungen an die arbeitsplatzbezogene muskuloskeletale Rehabilitation (ABMR) bundesweit in allen Landesverbänden zugelassen.

Obligatorische Voraussetzung für die Anwendung des Verfahrens ist eine Schulung durch das iqpr. Das Verfahren ELA ist frei von jeglichen Lizenzkosten.

Ansprechpartner für weitere Informationen

Dr. Torsten Alles
iqpr GmbH
Eupener Str. 70
50933 Köln
Tel.: 0221-277599-27
Fax: 0221-277599-10
E-Mail: alles@iqpr.de

Dokumentationssysteme: Abgleich von Fähigkeiten und Anforderungen

(unter Mitarbeit von Dr. Torsten Alles)

In diesem Abschnitt vorgestellte Dokumentationssysteme
IMBA, Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt
MELBA, Merkmalsprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit

IMBA (Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt)

(Glatz & Schian, 2007)

Bei IMBA handelt es sich um ein Dokumentations- und Profilvergleichsverfahren, welches sich in drei Teile gliedert:

  1. Anforderungsprofil
  2. Fähigkeitsprofil
  3. Profilvergleich

und umfasst folgende neun Merkmalskomplexe:

  • Körperhaltung
  • Körperfortbewegung
  • Körperteilbewegung
  • Informationsaufnahme und -abgabe
  • komplexe physische Merkmale
  • Umgebungseinflüsse
  • Arbeitssicherheit
  • Arbeitsorganisation
  • psychologische Merkmale (Schlüsselqualifikationen).

Hinweise zur Erhebung von Anforderungsprofilen finden Sie unter unserer Rubrik Arbeitsplatzbeschreibungen.

Bei der Erstellung von Fähigkeitsprofilen können unterschiedlichste Informationsquellen zur Bewertung der Merkmale herangezogen werden. Hierzu zählen zum einen ärztlichen Befragungen und Untersuchungen sowie Selbstauskünfte des Arbeitnehmers. Zum anderen können Fremdanamnesen und Ergebnisse aus FCE-Untersuchungen (z. B. mit ELA oder EFL) bzw. der psychologischen Begutachtung (Exploration bzw. Anamnese, Fremdanamnese, Verhaltensbeobachtungen, Bearbeitung standardisierter Aufgaben oder psychometrischer Testverfahren) herangezogen werden.

Die so erhobenen Daten werden anhand der IMBA-Materialien (Definitionen und Beurteilungshilfen) in Profilwerte übersetzt, die dann im Profilvergleich ausgewertet werden. Der Profilvergleich stellt dabei ein umfassendes Bild der beruflichen Beanspruchungssituation dar.

Schema IMBA

Das IMBA-Prinzip (Quelle: http://www.iqpr.de/iqprweb/seiten/dienstleistung/profilvergleich/imbaverfahren/imbaverfahren.aspx)

IMBA kann damit als gemeinsame Dokumentationsplattform für die verschiedenen Fachabteilungen genutzt werden, die im Rahmen der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation zusammenarbeiten. Weiterhin bietet IMBA die Möglichkeit zum Austausch von Informationen mit dem Arbeitgeber mittels gemeinsamer Begrifflichkeiten.

Auswertung. Den Merkmalskomplexen "Körperhaltung", "Körperfortbewegung", "Körperteilbewegung", "Information", "Komplexe Merkmale" sowie "Schlüsselqualifikationen“ wird ein Profilwert zwischen 1 bis 5 zugeordnet. Für die anderen Merkmalskomplexe „Umgebungseinflüsse“, „Arbeitssicherheit“ und „Arbeitsorganisation“ gibt es die Beurteilungsmöglichkeit zutreffend und nicht zutreffend.

MELBA (Merkmalsprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit)

(Föhres et al., 2003)

Bei MELBA handelt es sich um ein vorrangig psychologisches Dokumentations- und Profilvergleichsverfahren. Es basiert wie IMBA auf dem Vergleich von Fähigkeiten und Anforderungen (Profilvergleich) und legt den Schwerpunkt auf Schlüsselqualifikationen. Das Verfahren MELBA ist als eigenständiges Verfahren konzipiert und beinhaltet eine Auswahl der Merkmale aus IMBA. Hierzu gehören die psychologischen Merkmale (Schlüsselqualifikationen) des IMBA-Verfahrens und einzelne Merkmale aus anderen IMBA-Merkmalsgruppen.

Das Verfahren MELBA gliedert sich in drei Teile:

  1. Fähigkeitsprofil
  2. Anforderungsprofil
  3. Profilvergleich

Grundlage sind 29 definierte Merkmale, die fünf Merkmalsbereichen zugeordnet sind.

  • Soziale Merkmale (z. B. Teamarbeit, Kontaktfähigkeit)
  • Kognitive Merkmale (z. B. Problemlösen, Konzentration)
  • Merkmale zur Art der Arbeitsausführung (z. B. Ausdauer, Sorgfalt)
  • Psychomotorische Merkmale (z. B. Antrieb, Reaktionsgeschwindigkeit)
  • Kulturtechniken/Kommunikation (z. B. lesen können)

MELBA kann u.a. in Unternehmen zum Zweck der Arbeitsplatzgestaltung und Dokumentation und der Erfolgskontrolle von beruflichen Maßnahmeneingesetzt werden.

Auswertung. Um die Merkmale standardisiert und systematisch einschätzen zu können, gibt es Definitionen zu jedem der o. g. Merkmale. Für jedes einzelne Merkmal wird ein Profilwert zwischen 1 und 5 eingeschätzt.

Fragebogeninstrumente: Die Rehabilitandensicht

In der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation können verschiedene diagnostische Fragebogenverfahren zur Selbstbeurteilung durch den Rehabilitanden eingesetzt werden.

Aus den beiden folgenden Bereichen finden Sie nachfolgend Kurzdarstellungen von einigen einschlägigen und wichtigen Instrumenten:

  • Instrumente zur Erfassung von Einschränkungen der Aktivitäten und Teilhabe eines Rehabilitanden
  • Instrumente zur Erfassung von individuellen Kontextfaktoren, die im Rahmen der Rehabilitation eine Rolle spielen können (z.B. psychische Belastungen, arbeitsbezogene Einstellungen)

Innerhalb der beiden Themenbereiche sind die Testverfahren alphabetisch geordnet. Verweise zur Literatur finden sich jeweils dort.

Übersicht über die Verfahren

Erfassung von Einschränkungen der Aktivitäten und Teilhabe
DASH, Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand Questionnaire, deutsche Version
SFS, Spinal Function Sort; auch bekannt als Performance Assessment and Capacity Testing „PACT“
WAI, Work Ability Index; deutsch: Arbeitsbewältigungsindex ABI
SE-FFB, Skalen zur Erfassung der Funktionsfähigkeit im Beruf
Erfassung von umwelt- und personenbezogenen Kontextfaktoren
BAuA Toolbox
AVEM, Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster
IRES-3, IRES-24, Indikatoren des Reha-Status
UKS, Ultra-Kurz-Screening psychosozialer Problemlagen
ERI, Fragebogen zur Messung beruflicher Gratifikationskrisen / Effort-Reward Imbalance Questionnaire
TICS, Trierer Inventar zum chronischen Stress
FIT, Fragebogen zum Erleben von Intensität und Tätigkeitsspielraum in der Arbeit
FABQ-D, Fear Avoidance Beliefs Questionnaire, deutsche Version
JAS, Job-Angst-Skala
WFC-Verfahren, Verfahren zur Erfassung von work-family conflict
FBTM, Fragebogen zur Erfassung der berufsbezogenen Therapiemotivation
DIAMO, Diagnostikinstrument für Arbeitsmotivation
FREM-17, FREM-8, Fragebogen zu rehabilitationsbezogenen Erwartungen und Motivationen
PAREMO-20, Patientenfragebogen zur Erfassung der Reha-Motivation
Verfahren zur Erfassung der berufsbezogenen Selbstwirksamkeit
Skala „Berufliche Selbstwirksamkeitserwartung“
BSEF-Skala, Skala zur Erfassung genereller beruflicher Selbstwirksamkeitserwartungen

Erfassung von Einschränkungen der Aktivitäten und Teilhabe

DASH

Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand Questionnaire, deutsche Version
(Germann et al., 1999, 2003)

Funktionelle Einschränkungen der oberen Extremitäten

Beim DASH handelt es sich um ein Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung von Symptomen und funktionellen Einschränkungen bei muskuloskelettalen Erkrankungen im Bereich der oberen Extremitäten.

Der DASH besteht aus 30 Items, die sich auf die Bereiche „Körperfunktion und -strukturen“, „berufliche und allgemeine Aktivitäten“ und „soziales Leben“ beziehen. Es existiert auch eine Kurzform („QuickDASH“), die elf Items umfasst. Die Items des DASH werden im Hinblick auf die Schwierigkeiten bei der Ausübung der jeweiligen Aktivitäten beantwortet.

Beispielitems Kernfragebogen

Bereich Beispiel
Körperliche Funktionsfähigkeit Eine Einkaufstasche oder einen Aktenkoffer tragen
Symptome Schmerzen in Schulter, Arm oder Hand während der Ausführung einer bestimmten Tätigkeit
Soziale Partizipation In welchem Ausmaß haben Ihre Schulter-, Arm- oder Handprobleme Ihre normalen sozialen Aktivitäten mit Familie, Freunden, Nachbarn oder anderen Gruppen während der vergangenen Woche beeinträchtigt?

Beispielitems Arbeits- und Berufs-Modul

Instruktion: Bitte kreuzen Sie die Zahl an, die Ihre körperlichen Fähigkeiten in der vergangenen Woche am besten beschreibt. (Skala zwischen „Keine Schwierigkeiten“ = 1 und „Nicht möglich“ = 5). Hatten Sie irgendwelche Schwierigkeiten:
… aufgrund der Schmerzen in Schulter, Arm oder Hand Ihre übliche Arbeit zu erledigen?
… so gut zu arbeiten wie Sie es möchten?

Es erfolgt die Berechnung eines Gesamtwerts, der den Grad der Einschränkung wiedergibt. Über diesen Kernfragebogen hinaus können zwei optionale Module (Sport und Musik bzw. Arbeit und Beruf) mit jeweils vier Items eingesetzt werden.

Das Instrument (auch in der deutschsprachigen Version) sowie weiterführende Informationen (auf Englisch) können hier heruntergeladen werden. Eine deutsche Übesetzung ist auf der Homepage ebenfalls erhältlich.

SFS

Spinal Function Sort; auch bekannt als Performance Assessment and Capacity Testing „PACT“
(Borloz et al., 2012; Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, 1996)

Selbsteinschätzung der eigenen funktionellen Leistungsfähigkeit

Da die Bereitschaft von Rehabilitanden, sich zu belasten bzw. eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen, auch in wesentlichem Maß von der subjektiven Leistungsfähigkeit abhängt, werden die physischen Leistungstests der EFL durch eine standardisierte Selbsteinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit ergänzt. Anhand von Bildern mit typischen Arbeitssituationen soll der Rehabilitand seine Leistungsfähigkeit einschätzen. Es wird empfohlen, einen Vergleich der subjektiven Leistungsfähigkeit vor und nach den EFL-Tests mit den tatsächlichen Testergebnissen vorzunehmen, um Unter- und Überschätzungen zu erkennen. Die Testergebnisse werden in einem standardisierten Testbericht festgehalten, der auch Angaben zur Verhaltensbeobachtung umfasst.

WAI

Work Ability Index; deutsch: Arbeitsbewältigungsindex ABI

Selbsteinschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit
(Hasselhorn und Freude, 2007; BAuA, 2013)

Beim WAI/ABI handelt es sich um einen Selbstauskunftsbogen mit zehn Items, die sieben Dimensionen zugeordnet sind.

Dimensionen

Dimension Beispielitem
Derzeitige Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu der besten je erreichten Arbeitsfähigkeit Wenn Sie Ihre beste, je erreichte Arbeitsfähigkeit mit 10 Punkten bewerten: Wie viele Punkte würden Sie dann für Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit geben?
Arbeitsfähigkeit in Relation zu den Arbeitsanforderungen Wie schätzen Sie Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die körperlichen Arbeitsanforderungen ein?
Wie schätzen Sie Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die psychischen Arbeitsanforderungen ein?
Anzahl der aktuellen, vom Arzt diagnostizierten Krankheiten Kreuzen Sie in der folgenden Liste Ihre Krankheiten oder Verletzungen an. Geben Sie bitte auch an, ob ein Arzt diese Krankheiten diagnostiziert oder behandelt hat.
Geschätzte Beeinträchtigung der Arbeit durch Krankheiten Behindert Sie derzeit eine Erkrankung oder Verletzung bei der Arbeit?
Krankenstand in den vergangenen 12 Monaten Wie viele ganze Tage sind Sie auf Grund eines gesundheitlichen Problems (Krankheit, Unfall) in den letzten 12 Monaten der Arbeit ferngeblieben?
Einschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit in zwei Jahren Glauben Sie, dass Sie, ausgehend von Ihrem jetzigen Gesundheitszustand, Ihre derzeitige Arbeit auch in den nächsten zwei Jahren ausüben können?
Psychische Leistungsreserven Haben Sie in der letzten Zeit Ihre täglichen Aufgaben mit Freude erledigt?

Aus den Antworten auf die Fragen ergibt sich für jede Dimension ein Punktwert, die zu einem Gesamtwert summiert werden. Die höchste erreichbare Punktzahl des ABI liegt bei 49 und bedeutet „maximale Arbeitsfähigkeit“, die geringste beträgt sieben Punkte und steht für „minimale Arbeitsfähigkeit“. Unter “Arbeitsfähigkeit” wird hierbei verstanden, inwieweit Beschäftigte in der Lage sind, ihrer Tätigkeit angesichts von Arbeitsanforderungen, Gesundheit und mentalen Ressourcen nachzugehen. Die Arbeitsfähigkeit wird dabei durch die individuellen Ressourcen der Arbeitnehmer (körperliche, mentale, soziale Fähigkeiten, Gesundheit, Kompetenz, Werte) sowie die Arbeit (Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, soziales Arbeitsumfeld, Führung) bestimmt. Der Punktwert steht für das Ausmaß der Übereinstimmung dieser beiden Komponenten. Der ABI hat sich prognostisch als bedeutsam im Hinblick auf die Identifizierung von Rehabilitationsbedarf sowie Rentenantragsstellung erwiesen (Bethge et al., 2012, 2013).

Die Kurzversion des ABI unterscheidet sich von der Langversion ausschließlich in der Anzahl der vorgegebenen aktuellen Krankheitsbilder (Kurzversion 13, Langversion 51 Krankheiten).

Weiterführende Informationen zum Verfahren sowie Möglichkeiten zum Download finden sich hier.

SE-FFB

Skalen zur Erfassung der Funktionsfähigkeit im Beruf
(Müller et al., 2014)

Selbsteinschätzung beruflicher Leistungsfähigkeit und Einschränkungen

Mit den Skalen zur Erfassung der Funktionsfähigkeit im Beruf (SE-FFB) können krankheitsbedingte Auswirkungen auf die Arbeitsleistung sowie krankheitsbedingte Beschwerden am Arbeitsplatz aus der Perspektive des Rehabilitanden erfasst werden. Das Verfahren besteht aus den folgenden Skalen:

Beispielitems

Skala Beispielitem
Einschränkungen der körperlichen Arbeitsleistung
(9 Items)
Ich konnte in den letzten vier Wochen, in denen ich gearbeitet habe, einseitige körperliche Beanspruchung bei der Arbeit gut aushalten.
Schmerzen bei der Arbeit
(3 Items)
Meine Schmerzen und Beschwerden waren während der Arbeitszeit stärker als sonst.
Einschränkungen der kognitiven Arbeitsleistung
(7 Items)
Ich konnte in den letzten vier Wochen, in denen ich gearbeitet habe, arbeiten ohne durcheinander zu kommen.
Einschränkungen bezüglich des Umgangs mit Stress
(6 Items)
Ich konnte in den letzten vier Wochen, in denen ich gearbeitet habe, meine Grenzen bei der Arbeit erkennen.
Erschöpfung bei der Arbeit
(8 Items)
Ich habe mich bei der Arbeit oft schwach und erschöpft gefühlt.
Einschränkungen der Produktivität
(8 Items)
Ich konnte in den letzten vier Wochen, in denen ich gearbeitet habe, das an meinem Arbeitsplatz übliche Arbeitspensum erfüllen.

Die leistungsbezogenen Items (Skalen „Körperliche Arbeitsleistung“, „Kognitive Arbeitsleistung“, „Umgang mit Stress“, „Produktivität“) werden mit Blick auf die bestehenden Schwierigkeiten beantwortet, die beschwerdebezogenen Items (Skalen „Schmerzen“, „Erschöpfung“) hinsichtlich des Ausmaßes, in dem die jeweiligen Aussagen zutreffen.

Aktuell ist das Instrument für den Indikationsbereich muskuloskelettaler Erkrankungen validiert. Weitere Informationen zum Verfahren finden sich in der Publikation von Müller et al. (2014).

Erfassung von umwelt- und personenbezogenen Kontextfaktoren

BAuA Toolbox

 

Sammlung von Instrumenten zur Erfassung psychischer Belastungen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat mit ihrer sog. Toolbox eine Sammlung von Instrumenten zur Erfassung psychischer Belastungen im Arbeits- und Berufskontext als Handlungshilfe für Praktiker zusammengestellt.

Die Toolbox enthält Verfahren, die in erster Linie für den Bereich der betrieblichen Prävention und Gesundheitsförderung gedacht sind. Darunter sind Instrumente, die vorrangig Merkmale der Arbeitssituation und des Arbeitsplatzes erfassen, und solche mit einem Schwerpunkt auf personenbezogenen Merkmalen. Manche dieser Verfahren können auch für die beruflich orientierten medizinische Rehabilitation von Nutzen sein.

Einen Überblick über sämtliche Instrumente der BAuA-Toolbox finden Sie hier.

Quantitative Verfahren, die personenbezogene Merkmale erfassen (darunter auch die auf dieser Homepage dargestellten Instrumente AVEM, WAI und FIT), werden im Einzelnen auf www baua.de vorgestellt.

AVEM

Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster
(Schaarschmidt und Fischer, 2006)

Umgang mit arbeitsbezogenen Anforderungen und Belastungen

Der AVEM erlaubt Aussagen über gesundheitsförderliche Verhaltens- und Erlebensmuster bei der Bewältigung von Arbeits- und Berufsanforderungen. Es werden dabei vier solcher Muster unterschieden:

  • Muster G (Engagement, Widerstandskraft und Wohlbefinden)
  • Muster S (Schonung)
  • Risikomuster A (Selbstüberforderung) und
  • Risikomuster B (Überforderung und Resignation).

Während Muster G gesundheitsförderliches Verhalten und Erleben anzeigt, weisen die Muster A und B auf unterschiedliche Gesundheitsgefährdungen hin. Muster S wiederum ist weniger unter Gesundheits-, sondern mehr unter Motivationsaspekten von Interesse.

Die 66 Items des Fragebogens verteilen sich auf elf Dimensionen, die zu den drei Bereichen „Arbeitsengagement“, „Widerstandskraft“ und „Wohlbefinden/psychologischer Schutzfaktor“ zusammengefasst werden können.

Die Auswertung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst werden die Skalenwerte ermittelt. Anhand des individuellen Profils des Probanden, das sich mit Hilfe einer computergestützten Auswertung daraus ableitet, wird dann die Wahrscheinlichkeiten für die Zugehörigkeit zu den vier Mustern G, S, A und B berechnet.

Es liegt außerdem eine Kurzversion des AVEM vor, diese umfasst 44 Items.

Beispielitems

Dimension Beispielitem
1. Subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit Die Arbeit ist für mich der wichtigste Lebensinhalt.
2. Beruflicher Ehrgeiz Ich möchte beruflich weiter kommen, als es die meisten meiner Bekannten geschafft haben.
3. Verausgabungsbereitschaft Wenn es sein muss, arbeite ich bis zur Erschöpfung.
4. Perfektionsstreben Was immer ich tue, es muss perfekt sein.
5. Distanzierungsfähigkeit Nach der Arbeit kann ich ohne Probleme abschalten.
6. Resignationstendenz bei Misserfolg Wenn ich keinen Erfolg habe, resigniere ich schnell.
7. Offensive Problembewältigung Nach Misserfolgen sage ich mir: Jetzt erst recht!
8. Innere Ruhe und Ausgeglichenheit Mich bringt so leicht nichts aus der Ruhe.
9. Erfolgserleben im Beruf Mein bisheriges Berufsleben war recht erfolgreich.
10. Lebenszufriedenheit Im Großen und Ganzen bin ich glücklich und zufrieden.
11. Erleben sozialer Unterstützung Mein Partner/meine Partnerin zeigt Verständnis für meine Arbeit.

Das Verfahren ist kostenpflichtig. Es kann über den Hogrefe Verlag bezogen werden.

IRES-3, IRES-24

Indikatoren des Reha-Status
(Bührlen et al., 2008; Wirtz et al., 2005)

Subjektiver Gesundheitsstatus von Rehabilitanden

Der IRES-Fragebogen ist ein spezifisch für den Rehabilitationskontext entwickeltes, generisches Selbstbeurteilungsverfahren; er erfasst mittels 144 Items (IRES-3) bzw. 24 Items (Kurzversion IRES-24) verschiedene Facetten des subjektiven Gesundheitsstatus und der Funktionsfähigkeit bei Patienten mit chronischen Erkrankungen. Die Kurzversion IRES-24 wurde auf Basis der probabilistischen Testtheorie entwickelt und ist Rasch-skaliert.

Dimensionen der IRES-Fragebögen

Dimension IRES-3 IRES-24
Somatische Gesundheit X X
Schmerzen X X
Funktionsfähigkeit im Alltag X X
Funktionsfähigkeit im Beruf X  
Psychisches Befinden X X
Soziale Integration X  
Gesundheitsverhalten X  
Krankheitsbewältigung X  

Für den Kontext der arbeits- und berufsbezogenen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation ist (je nach Bedarf) die Verwendung verschiedener Subskalen von IRES-3 oder IRES-24 denkbar, etwa die Skala „Funktionsfähigkeit im Beruf“ (nur IRES-3).

Ausführliche Informationen zu den Anwendungsbereichen und psychometrischen Eigenschaften des IRES sowie zur Auswertung geben Leonhart und Gerdes (2005) sowie Frey und Mitarbeiter (2007). Die Instrumente können hier heruntergeladen werden.

UKS

Ultra-Kurz-Screening psychosozialer Problemlagen
(Küch, 2015; Küch et al., 2011)

Psychosoziale Problemlagen von Rehabilitanden

Mit dem UKS (Ultra-Kurz-Screening) können vier wesentliche psychosoziale Problemlagen orthopädischer Rehabilitanden erfasst werden:

  • psychische Komorbidität mit Depressivität und Ängsten
  • Schmerzen
  • besondere familiäre und besondere berufliche Probleme
  • Motivation zur Inanspruchnahme psychologischer Angebote.

Die Auswertung des UKS kann auf verschiedene Arten erfolgen. Zunächst kann für jede der fünf Dimensionen (Depression, Ängste, Krankheit/Schmerz, besondere familiäre Probleme, besondere berufliche Probleme) geschaut werden, ob eine Belastung vorliegt, was für die klinische Praxis und auch für die Veranlassung weiterer Psychodiagnostik sinnvoll ist. Weiterhin kann ein Gesamtwert berechnet werden, bei einem Cut-off von 4 (bei 12 Punkten insgesamt) können psychologische Maßnahmen initiiert werden.

Das Instrument sowie Auswertungshinweise können hier abgerufen werden.

ERI

Fragebogen zur Messung beruflicher Gratifikationskrisen / Effort-Reward Imbalance Questionnaire
(Rödel et al., 2004; Siegrist et al., 2009)

Arbeits-/berufsbezogener Stress

Beim ERI handelt es sich um ein Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung von arbeits- und berufsbezogenen Stresserfahrungen im Sinne beruflicher Gratifikationskrisen.

Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen von Siegrist (1996, 2002) geht davon aus, dass ein Missverhältnis von hohen geleisteten arbeits- bzw. berufsbezogenen Verausgabungen einerseits und niedriger Gratifikation (Belohnungen in Form von Bezahlung, Wertschätzung, beruflichem Aufstieg, Arbeitsplatzsicherheit) andererseits zu Stresserleben und gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Die Gratifikationskrise fällt umso stärker aus, je höher die geleistete Verausgabung im Verhältnis zu den erfahrenen Gratifikationen ist. Außerdem wird im Modell angenommen, dass ein höheres Belastungs- bzw. Krankheitsrisiko dann besteht, wenn eine hohe berufliche Verausgabungsneigung vorliegt.

Der Fragebogen besteht aus 22 Items. Diese werden anhand eines fünfstufigen Antwortformats bearbeitet, mit dem das Ausmaß der wahrgenommenen Verausgabung bzw. Belohnung eingeschätzt wird. Die Skala zur Verausgabungsneigung wird anhand einer vierstufigen Skala beantwortet.

Beispielitems

Dimension Beispielitem
Verausgabung bei der Arbeitstätigkeit häufig großer Zeitdruck
viel Verantwortung
Gratifikationen: Bezahlung und beruflicher Aufstieg schlechte Aufstiegschancen
der Leistung angemessenes Gehalt
Gratifikationen: Wertschätzung Anerkennung von Vorgesetzten
Angemessene Unterstützung in schwierigen Situationen
Gratifikationen: Arbeitsplatzsicherheit Verschlechterung der Arbeitsplatzsituation zu erwarten
Arbeitsplatz gefährdet
berufliche Verausgabungsneigung Nahestehende sagen, ich opfere mich zu sehr auf
Arbeit geht mir nachts im Kopf herum

Vom ERI existiert auch eine Kurzform mit 16 Items, die anhand einer vierstufigen Antwortskala bearbeitet werden.

Das Verfahren steht auf der Homepage des Universitätsklinikums Düsseldorf zum Download zur Verfügung; dort finden sich auch weitere Quellen mit Auswertungshinweisen.

TICS

Trierer Inventar zum chronischen Stress
(Schulz, Schlotz & Becker, 2004)

Chronisches Stresserleben in verschiedenen Lebensbereichen (u.a. Beruf)

Das Trierer Inventar zum chronischen Stress erfasst anhand von 57 Items das Erleben von chronischem Stress in verschiedenen Lebensbereichen. Die Items verteilen sich auf 10 Skalen, von denen sich mehrere auf den Bereich Arbeit und Beruf beziehen und daher im Kontext der beruflich orientierten medizinischen Rehabilitation von Bedeutung sein können: Arbeitsüberlastung; soziale Überlastung; Erfolgsdruck; Arbeitsunzufriedenheit; Überforderung bei der Arbeit; Mangel an sozialer Anerkennung; Soziale Spannungen; Soziale Isolation; Chronische Besorgnis; Screening-Skala bzgl. Stresserleben. Allgemeine und nach Alter differenzierte Normwerte liegen vor.

Das Verfahren ist kostenpflichtig und kann über den Hogrefe-Verlag bezogen werden.

FIT

Fragebogen zum Erleben von Intensität und Tätigkeitsspielraum in der Arbeit
(Richter et al., 2000)

Arbeits-/berufsbezogener Stress

Mit dem FIT kann erfasst werden, wie gesundheitsrelevante Arbeitsanforderungen subjektiv erlebt werden. Das Verfahren basiert auf dem Anforderungs-Kontroll-Modell von Karasek (z.B. Karasek & Theorell, 1990), eines der zentralen Modelle zum Arbeitsstress. Es erfasst über 13 Items die Faktoren Tätigkeitsspielraum und Arbeitsintensität.

Beispielitems

Dimension „Tätigkeitsspielraum“
Ich muss bei meiner Arbeit viele selbständige Entscheidungen treffen.
Dimension „Arbeitsintensität“
Es ist häufig sehr viel, was von mir an Arbeit geschafft werden muss.

Das Instrument sowie weitere Informationen können der Publikation von Richter et al. (2000) entnommen werden. Der FIT ist zudem in der BAuA-Toolbox (s. o.) enthalten.

FABQ-D

Fear Avoidance Beliefs Questionnaire, deutsche Version
(Pfingsten et al., 1997; Pfingsten, 2004)

Schmerzbezogene Befürchtungen

Der Fear Avoidance Beliefs Questionnaire (FABQ-D) ist ein 16 Items umfassendes Selbstbeurteilungsverfahren, mit dem schmerzbezogene Vorstellungen und Befürchtungen von Patienten mit chronischen (Rücken-)Schmerzen erfasst werden.

Es handelt sich um die deutsche Version eines von Waddell und Mitarbeitern (1993) entwickelten Instruments, das auf dem „Fear-Avoidance“-Modell basiert. Diesem zufolge bewirken Ängste und Befürchtungen, dass Bewegung und körperliche Aktivität mit Schmerzen assoziiert sind oder diese verschlimmern können, eine Vermeidung von Bewegung und Belastung. Über negative Verstärkungsprozesse etabliert sich so ein generelles Vermeidungsverhalten bzgl. potenziell schmerzhafter Aktivitäten. Das Verfahren hat sich bzgl. Variablen wie Arbeitsunfähigkeit und Beeinträchtigungserleben als prognostisch relevant erwiesen.

Die Items des FABQ-D sind drei Skalen zugeordnet:

  • Annahmen bzgl. der Rolle von Beruf und Arbeitstätigkeit als Ursache von Rückenschmerzen (Faktor 1)
  • Annahmen bzgl. der vermuteten Wiederaufnahme der Berufstätigkeit (Faktor 2)
  • Annahmen bzgl. des Zusammenhangs von körperlicher Aktivität und Rückenschmerzen (Faktor 3)

Die Items werden anhand einer 7-stufigen Skala beantwortet.

Beispielitems

Skala Beispielitem
1. Annahmen bzgl. der Rolle von Beruf und Arbeitstätigkeit als Ursache von Rückenschmerzen Durch meine Arbeit wurden meine Schmerzen verstärkt
Meine Arbeit könnte meinen Rücken schädigen
2. Annahmen bzgl. der vermuteten Wiederaufnahme der Berufstätigkeit Mit meinen augenblicklichen Schmerzen sollte ich meine gegenwärtige Arbeit eigentlich nicht ausüben
Ich glaube nicht, dass ich meine jetzige Arbeitstätigkeit überhaupt wieder aufnehmen kann
3. Annahmen bzgl. des Zusammenhangs von körperlicher Aktivität und Rückenschmerzen Körperliche Aktivitäten verstärken meine Schmerzen
Körperliche Aktivitäten können meinem Rücken schaden

Das Verfahren kann hier heruntergeladen werden. Hinweise zur Auswertung finden sich bei Pfingsten (2004) und Pioch (2005).

JAS

Job-Angst-Skala
(Linden et al., 2008; Muschalla & Linden, 2011)

Arbeitsplatzbezogene Ängste

Die „Job-Angst-Skala“ (JAS), ein Fragebogen zur Erfassung arbeitsplatzbezogener Ängste, soll die Differenzierung verschiedener Formen der arbeitsplatzbezogenen Ängste ermöglichen. Das Instrument beinhaltet fünf Hauptdimensionen (Stimulusbezogene Ängste und Vermeidungsverhalten, Soziale Ängste und Beeinträchtigungskognitionen, Gesundheits- und körperbezogene Ängste, Insuffizienzerleben, Arbeitsplatzbezogene generalisierte Sorgen). Insgesamt umfasst der Fragebogen 70 Items auf 14 Skalen. Die Beantwortung erfolgt in Form einer 5-stufigen Skala. Die Patienten erhalten das Instrument unter dem Titel „Fragebogen zu Arbeitsplatzproblemen“.

Der Fragebogen wurde an orthopädischen und psychosomatischen Rehabilitanden erprobt und weist gute psychometrische Eigenschaften auf.

Aus den Items der Hauptdimension „Stimulusbezogene Ängste und Vermeidungsverhalten“ wurde mittlerweile die Arbeitsplatzphobieskala (13 Items) als Screening-Instrument zur Identifizierung von Arbeitsplatzphobien entwickelt. Die Items beschreiben charakteristische Symptome eines Arbeitsplatzphobie-Syndroms. Die Kurzskala wurde in einer Rehabilitationsklinik an Patienten mit psychosomatischen Krankheitsbildern getestet.

Beispielitems der Arbeitsplatzphobieskala

Ich erlebe starke Befindlichkeitsstörungen oder Unbehagen, wenn ich an meinem Arbeitsplatz bin.
Wenn ich an meinen Arbeitsplatz denke, merke ich, wie sich alles in mir anspannt.
Auf dem Weg hin zu meiner Arbeitsstelle würde ich am liebsten umdrehen.

Die Job-Angst-Skala kann hier heruntergeladen werden. Informationen zur Auswertung der Skala finden sich in einem zugehörigen Kurzmanual, das ebenfalls zum Download zur Verfügung steht.

WFC-Verfahren

Verfahren zur Erfassung von work-family conflict
(Carlson et al., 2000; deutsche Version von Wolff & Höge, 2011)
(Kelloway et al., 1999; deutsche Version von Bethge & Borngräber, under review)

(Konflikterleben zwischen Familie und Beruf)

Um Konflikte zwischen Beruf und Familienleben (work-family conflict; WFC) zu erfassen, liegen derzeit zwei vergleichbare Fragebogenverfahren vor, die sich in Umfang, Struktur und Antwortformat leicht unterscheiden:

Wolff & Höge (2011) haben den englischsprachigen Fragebogen zur Messung von Konflikten zwischen Beruf und Familie von Carlson et al. (2000) ins Deutsche übersetzt und validiert. Der Fragebogen besteht aus 18 Items, von denen jeweils drei eine Subskala bilden. Basierend auf dem Ansatz von Greenhaus und Beutell (1985) werden zwei Konfliktrichtungen (Beruf → Familie und Familie → Beruf) sowie drei Konfliktformen (zeitbasiert, beanspruchungsbasiert und verhaltensbasiert) angenommen, aus deren Kombination sich die sechs Subskalen ergeben. Die Rehabilitanden sollen anhand einer siebenstufigen Antwortskala angeben, inwieweit die vorgegebenen Aussagen für sie zutreffen („trifft nicht zu“ bis „trifft zu“).

Beispielitems WFC-Fragebogen nach Wolff & Höge (2011)

Skala Beispielitem
Beruf → Familie – Zeit Meine Arbeit hält mich mehr als mir lieb ist von Unternehmungen mit meiner Familie/ meinem Partner ab.
Familie → Beruf – Stress Die Belastungen im familiären/ partnerschaftlichen Bereich beeinträchtigen oft meine Arbeitsleistung.

Bethge und Borngräber (under review) haben eine Übersetzung und Validierung des englischsprachigen Fragebogens zur Erfassung von work-family conflict von Kelloway et al. (1999) vorgenommen. Die deutsche Version erfasst mit 22 Items ebenfalls die beiden Konfliktrichtungen Beruf → Familie und Familie → Beruf, die sich jeweils in zeit- und belastungsbasierte Konfliktformen auffächern. Das Verfahren umfasst somit vier Subskalen. Beantwortet werden die Items anhand einer vierstufigen Antwortskala, die sich darauf bezieht, wie häufig Konflikte erlebt werden (von „nie“ bis „fast immer“).

Beispielitems WFC-Fragebogen nach Bethge & Borngräber (under review)

Skala Beispielitem
Beruf → Familie – Zeit Berufliche Verpflichtungen machen es mir schwer, Besorgungen für die Familie und den Haushalt zu erledigen.
Familie → Beruf – Stress Bei der Arbeit verbringe ich Zeit damit, über Dinge nachzudenken, die ich zu Hause noch erledigen muss.

FBTM

Fragebogen zur Erfassung der berufsbezogenen Therapiemotivation
(Zwerenz & Beutel, 2006; Zwerenz et al., 2005)

Motivation zur Auseinandersetzung mit beruflichen Themen in der Reha

Mit der Entwicklung des FBTM sollte die bestehende Lücke bezüglich der spezifischen Erfassung der berufsbezogenen Therapiemotivation geschlossen werden. Deren Erfassung ist u. a. für eine gezieltere Zuweisung zu berufsbezogenen Behandlungsangeboten von Relevanz. Sie ist zudem wichtig, da berufliche Belastungen und Konfliktsituationen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Bewältigung von chronischen Erkrankungen spielen und den Patienten oft die Bereitschaft fehlt, berufsbezogene Themen während ihres Rehabilitationsaufenthaltes zu bearbeiten.

Zur Fragebogenentwicklung wurden vorhandene Fragebögen zur allgemeinen Psychotherapie- und Reha-Motivation herangezogen, ergänzt durch die berufliche Perspektive.

Der FBTM besteht aus 24 Items, welche sich auf die Skalen „Veränderungsabsicht“ (sieben Items), „Rentenbegehren“ (sieben Items), „Negative Behandlungserwartungen“ (fünf Items) und „Aktive Bewältigungsorientierung“ (fünf Items) verteilen. Der Rehabilitand soll dabei auf einer fünfstufigen Skala angeben, inwieweit er der betreffenden Aussage zustimmt.

Beispielitems für die Skalen des FBTM

Skala Beispielitem
1. Veränderungsabsicht In der Klinik hoffe ich, Möglichkeiten zur Bewältigung meiner Arbeitsprobleme zu finden.
2. Rentenbegehren Wenn ich jetzt wählen könnte, würde ich lieber krankgeschrieben oder früh berentet werden, als (wieder) zu arbeiten.
3. Negative Behandlungserwartungen Es hat wenig Sinn, über die Arbeit zu reden.
4. Aktive Bewältigungsorientierung Ich habe mich vor Beginn meines Aufenthaltes über die Klinik informiert.

Der FBTM wurde für die psychosomatische Rehabilitation entwickelt und in weiteren Studien für die Indikationen Orthopädie und Kardiologie eingesetzt. Die Skala „Veränderungsabsicht“ des FBTM trägt zu einer sehr guten Verbesserung der Vorhersage des Erwerbsstatus ein Jahr nach Entlassung aus der Klinik bei (prädiktive Validität).

Der FBTM sowie eine Kurzanleitung dazu mit Auswertungshinweisen können hier heruntergeladen werden.

DIAMO

Diagnostikinstrument für Arbeitsmotivation
(Ranft et al., 2009)

Arbeits-/Berufsbezogene Motivation

Das DIAMO dient der Erfassung berufsbezogener Motivationsstrukturen. Es handelt sich um ein generisches Selbstbeurteilungsverfahren, das arbeitsbezogene Motive, Einstellungen und Verhaltensmuster misst. Das Instrument gibt einen differenzierten Einblick in die berufliche Motivationsstruktur von Rehabilitanden, so dass Stärken und Schwächen identifiziert werden können. Diese können als diagnostische Ansatzpunkte für motivationale Interventionen oder Beratungen zur Motivationsförderung dienen.

Das DIAMO beinhaltet drei zentrale Konzepte, „Motivationales Selbstbild“, „Motivationale Handlungsentwürfe“ und „Motivationale Passung“, denen insgesamt zehn Skalen (mit insgesamt 59 Items) zugeordnet sind.

Beispielitems für die Dimensionen des DIAMO

Dimension Beispielitem
Motivationales Selbstbild Wenn ich nicht arbeite, fällt mir schnell die Decke auf den Kopf.
Motivationale Handlungsentwürfe Ich setze mir herausfordernde Ziele für die berufliche Zukunft.
Motivationale Passung Wie sehr motiviert Sie ihre bisherige (frühere) Arbeit?

Weitere Hinweise zum Verfahren sowie Auswertungsmaterialien können hier abgerufen werden.

FREM-17, FREM-8

Fragebogen zu rehabilitationsbezogenen Erwartungen und Motivationen
(Deck, 2006; Deck et al., 1998)

Reha-bezogene Motivation und Erwartungen

Der FREM stellt eines der ersten Verfahren zur Erfassung der Reha-Motivation dar. Der Fragebogen besteht aus 17 Items, die zu vier Dimensionen aufsummiert werden (Erholung, Gesundheit, Krankheitsbewältigung, Rente). Die Reha-Motivation wird in diesem Instrument über die Erwartungen des Rehabilitanden an die Behandlung erfasst. Die Validierung des Instruments erfolgte an einer Stichprobe von Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen.

Die Kurzform des Fragebogens (FREM-8) umfasst acht Items auf einer vierstufigen Antwortskala und wurde an einer indikationsübergreifenden Rehabilitandenstichprobe entwickelt.

Beispielitems für die Dimensionen des FREM-17

Dimension Beispielitem
1. Erholung Ich erwarte, dass ich Abstand vom Alltag gewinne.
2. Gesundheit Ich erwarte, dass ich lerne gesünder zu leben.
3. Krankheitsbewältigung Ich erwarte, dass mein Selbstbewusstsein gestärkt wird und dass man mir Mut macht.
4. Rente Ich erwarte, dass man mich über berufliche Umschulungsmöglichkeiten informiert und berät.

PAREMO-20

Patientenfragebogen zur Erfassung der Reha-Motivation
(Hafen et al. 2001; Kriz et al., 2006)

Reha-bezogene Motivation

Der Fragebogen zur Rehabilitationsmotivation basiert auf einem theorieübergreifenden Konzept. Durch den Fragebogen wird erhoben, ob und wodurch ein Rehabilitand motiviert ist, an einer Rehabilitationsmaßnahme aktiv teilzunehmen. Ferner kann der Anteil des Behandlungserfolges, der auf die aktive Beteiligung des Patienten an den rehabilitativen Maßnahmen zurückgeführt werden kann, vorhergesagt werden.

Der PAREMO-20 besteht aus 20 Items, die den sechs Skalen „Seelischer Leidensdruck“, „Körperbedingte Einschränkungen“, „Soziale Unterstützung und Krankheitsgewinn“, „Änderungsbereitschaft“, „Informationsstand bzgl. Reha-Maßnahmen“ und „Skepsis“ zugeordnet werden. Anhand einer vierstufigen Antwortskala kann der Rehabilitand angeben, wie sehr eine Aussage mit seinen Meinungen und Erfahrungen übereinstimmt. Der Fragebogen wurde an mehreren Stichproben aus Patienten der kardiologischen, orthopädischen und psychosomatischen Rehabilitation konstruiert und validiert. Es liegen Normen für die Indikationsgebiete Orthopädie, Kardiologie, Onkologie, Psychosomatik und Pneumologie vor.

Beispielitems für die Dimensionen des PAREMO-20

Skala Beispielitem
1. Seelischer Leidensdruck Ich leide stark unter seelischen Beschwerden.
2. Körperbedingte Einschränkungen Meine körperlichen Beschwerden behindern mich im Alltag.
3. Soziale Unterstützung und Krankheitsgewinn Wenn es mir schlecht geht, kümmert sich eher jemand um mich als sonst.
4. Änderungsbereitschaft Ich werde meinen Lebensstil ändern müssen, um wieder gesund zu werden.
5. Informationsstand bzgl. Reha-Maßnahmen Ich weiß wenig darüber, wie eine Rehabilitationsbehandlung abläuft.
6. Skepsis Ich bin mir unsicher, ob mir hier geholfen werden kann.

Ein Manual mit weiteren Informationen zum Verfahren, das auch den Fragebogen selbst enthält, kann hier heruntergeladen werden.

Verfahren zur Erfassung der berufsbezogenen Selbstwirksamkeit

Skala „Berufliche Selbstwirksamkeitserwartung“

(Schyns & v. Collani, 2002)

Berufsbezogene Selbstwirksamkeit (subjektives Kompetenzerleben)

Die Skala basiert auf der Theorie zur $Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura. In diesem Kontext wird unter Selbstwirksamkeitserwartung die Überzeugung einer Person verstanden, ein bestimmtes Verhalten ausführen zu können. Das Instrument wurde entwickelt aus anderen Skalen zur Selbstwirksamkeitserwartung und ähnlichen Konstrukten, die für den beruflichen Kontext angepasst wurden. Es umfasst 19 Items, bei denen die Rehabilitanden anhand einer sechsstufigen Skala angeben sollen, inwieweit sie einer Aussage zustimmen. Quelle: zis.gesis.org/

Beispielitems der Skala „Berufliche Selbstwirksamkeitserwartung

Beispielitems
Wenn ich mir selbst berufliche Ziele setze, erreiche ich diese nur selten.
Ich fühle mich den meisten beruflichen Anforderungen gewachsen.

BSEF-Skala

Skala zur Erfassung genereller beruflicher Selbstwirksamkeitserwartungen (Abele et al., 2000)

Berufsbezogene Selbstwirksamkeit (subjektives Kompetenzerleben)

Die BSEF-Skala (früher auch BSW-Skala) von Abele et al. besteht aus sechs Items und wurde im Rahmen der Erlanger Längsschnittstudie BELA-E zur beruflichen Laufbahnentwicklung junger Akademiker und Akademikerinnen konstruiert. Dabei sollen die Probanden vorgegebene Aussagen auf einer fünfstufigen Skala beurteilen.

Items der BSEF-Skala

Beispielitems
Ich weiß nicht, ob ich die für meinen Beruf erforderlichen Fähigkeiten wirklich habe.
Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, meine beruflichen Absichten und Ziele zu verwirklichen.